Brennpunkte der deutschen Orchesterlandschaft

Wer 24 Stunden lang laut „Feuer“ ruft, der darf sich nicht wundern, wenn die Feuerwehr beim zweiten Mal nicht mehr kommt…

„Daueralarmismus“ liegt uns fern, allerdings: Seit 1990 hat es zahlreiche Strukturveränderungen, Orchesterfusionen, -verkleinerungen, -auflösungen oder -insolvenzen und damit oftmals schmerzliche Einschnitte für die deutschen Orchester und ihre Mitglieder gegeben. Viele Musikerinnen und Musiker, alle meist Hochschulabsolventen, haben ihre Jobs verloren, wurden arbeitslos, haben umgeschult. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Zukunftshoffnungen für Tausende Musikstudierende an 24 Musikhochschulen in Deutschland werden vernichtet und in Frage gestellt.

Ganz aktuell und in Stichworten:

Die Mitglieder der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin (gegründet 1553) sollen nach Beschluss des Landes M-V und der Landeshauptstadt Schwerin auf 25 Prozent der Vergütung verzichten und von gegenwärtig 68 Stellen noch weiter auf 58 verkleinert werden. 1993 hatte dieses Orchester nach Teilfusion mit der ehem. Schweriner Philharmonie noch über 100 Stellen.

Die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz soll auf rund 14 Prozent der Vergütung verzichten und von gegenwärtig 99 auf 86 Stellen verkleinert werden. Die Orchestermitglieder verzichten durch Haustarifvertrag bereits durchgängig seit 1999 auf Vergütung.

Der Staatskapelle Halle und der Theater und Orchester GmbH Halle droht die Insolvenz. Die Orchestermitglieder verzichten seit Jahren in einem Haustarifvertrag auf Gehalt. Das Orchester wurde bereits 2006 aus dem Orchester des Opernhauses Halle und dem Philharmonischen Staatsorchester Halle zur Staatskapelle Halle mit 155 Planstellen fusioniert. Bis heute sind davon rund 30 Musikerstellen abgebaut worden.

Die Anhaltische Philharmonie Dessau und das Anhaltische Theater sind massiv von den Kürzungen des Kulturetats des Landes Sachsen-Anhalt bedroht. Die Musiker verzichten durch Haustarifvertrag bereits seit vielen Jahren zu Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf Geahlt. Dennoch droht ihnen jetzt Abwicklung und/oder Fusion mit der Staatskapelle Halle.

Die Landeskapelle Eisenach ist vor wenigen Jahren von 42 auf 24 Stellen zuammengestrichen worden. Die endgültige Abwicklung konnte 2012 abgewendet werden. Die Orchestermitglieder haben seit vielen Jahren keine Lohnerhöhungen, keinen Inflationsausglieich mehr bekommen und erleiden daher einen massiven Reallohnverlust.

Die Hamburger Symphoniker sind von Insolvenz bedroht, wenn die Freie und Hansestadt Hamburg nicht das aufgelaufene Defizit übernimmt. Die Finanzlücke war entstanden, da die Hansestadt die zweite Stufe einer ursprünglich zugesagten Etataufstockung nicht mehr gezahlt hatte.

Die Bergischen Symphoniker, Orchester der Städte Remscheid und Solingen, verzichten seit Sommer 2013 durch Haustarifvertrag für insgesamt zehn (!) Jahre auf eine tarifliche Zuwendung (13. Monatsgehalt).

Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR und das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sollen 2016 am Standort Stuttgart fusioniert werden. Hierdurch werden rund 80 hochwertige Arbeitsplätze für den Orchesternachwuchs verloren gehen.

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