Einmal Mäck-Pomm, aber bitte ohne Ketchup… – Warum das OrchesterlanD gefährdet ist

Wir zählen sie nicht mehr, die Brandmeldungen, Pressemeldungen und DOV-Brennpunkte, die wir in den vergangenen Jahren der Kulturpolitik in Mecklenburg-Vorpommern (im Volksmund: „Mäck-Pomm“) gewidmet haben. Kein Wunder bei diesen, im „Kulturstaat“ Deutschland dem Grunde nach inakzeptablen Rahmenbedingungen. Man kann es nicht oft genug betonen: Die Zuschüsse des Landes für die Theater und Orchester sind seit 1994 bis 2020 (also über 26 Jahre!) eingefroren. D.h. im Umkehrschluss, dass die die Theater und Orchester tragenden Kommunen im Land alle Kostensteigerungen allein schultern mussten, was sie naturgemäß überfordert hat.

M-V macht's möglich: Wenn Theater "Rost" ansetzen

M-V macht’s möglich: Wenn Theater „Rost“ ansetzen

Das Ergebnis waren Auflösungen, Fusionen und Verkleinerungen der Theater und Orchester, einhergehend mit einem massiven Personalabbau. Dies alles hat das Land billigend in Kauf genommen. Es ist noch nicht lange her, da wollte man aus den verbliebenen vier Orchestern (Schwerin, Rostock, Greifswald-Stralsund und Neubrandenburg-Neustrelitz) durch erneute Fusionen ein Orchester im Westen und eines im Osten übrig lassen. Nachdem sich die Hansestadt Rostock diesen Plänen aber hartnäckig verweigert hat, bleiben die Standorte Schwerin und Rostock eigenständig bestehen. Die Mecklenburgische Staatskapelle zahlt hierfür einen hohen Preis, nämlich u.a. mit einem weiteren Abbau auf 58 Orchesterplanstellen, allerdings ohne erneute Kündigung. Auch das Volkstheater Rostock und die Norddeutsche Philharmonie sehen sich, begleitet durch Austritt der Träger GmbH aus dem kommunalen Arbeitgeberverband und dem Deutschen Bühnenverein, von der Flächentarifentwicklung abgekoppelt. Das Rostocker Orchester will aber zumindest eine Absicherung seiner Größe und der Vergütungen durch einen Haustarifvertrag erreichen. Das unsägliche Pokerspiel zwischen Land und Kommunen wurde auf die örtliche Ebene zwischen Stadt, Volkstheater GmbH und Beschäftigte verlagert.

Das Land Mäck-Pomm setzt seinen Umstrukturierungskurs, inhaltlich begleitet von der Münchner Unternehmensberatung Metrum, nun im Ostteil des Landes fort (Foto). Die Neubrandenburger Philharmonie, die mit ihrer Konzertkirche über einen überregional einzigartigen Konzertsaal verfügt, und die Philharmonie Vorpommern (Philharmonisches Orchester Greifswald-Stralsund) sollen auf 60 bzw. 38 Musiker verkleinert, fusioniert und anschließend in diesem Basisgrößen getrennt an ihren bisherigen Standorten eingesetzt werden. So jedenfalls die Planungen am Reißbrett. Dass das Zusammenführen eines Konzertorchesters mit einem Opernorchester bei Parallelbespielung eine künstlerische und inhaltliche Herausforderung ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Offenbar noch nicht überall. Dumm auch, dass die Standorte Neubrandenburg, Neustrelitz gegenüber Greifswald und Stralsund nicht gerade um die Ecke liegen. Im Zweifelsfall würden die Musiker mehr Zeit auf der Autobahn, als im Orchestergraben oder auf der Konzertbühne verbringen.

Die DOV hat auch diesen neuerlichen Fusion- und Abbauplänen vehement widersprochen und wird die Diskussion um den Erhalt zweier selbstständiger Orchesterstandorte in spielfähiger Größe im Südosten und Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern auch zum Spielzeitbeginn mit Landes- und Kommunalpolitik intensiv fortführen.

Gerald Mertens

Vorabveröffentlichung eines Beitrages, der Ende August 2014 im DOVmagazin 5/2014 als „Brennpunkt“ erscheint

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