Ausübende Künstler fair bezahlen: Petition unterzeichnen

Glauben Sie, dass ausübende Künstlerinnen und Künstler fair bezahlt werden sollten? Wenn ja, können Sie dabei helfen: Unterzeichnen Sie einfach die Petition der Kampagne Fair Internet for Performers und teilen Sie sie mit Freunden und Kollegen über Ihre Social Media-Netzwerke. Nur das Bewusstsein für eine faire Bezahlung schafft den nötigen Rechtsrahmen für ausübende Künstler in Europa.

Cartoon fair internet campaign

Zu den Organisatoren der Kampagne gehört die internationale Musikergewerkschaft FIM.

Weitere Informationen zur Petition und das Formular zum Unterzeichnen finden Sie hier.

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„art but fair“ – Lichtblick oder Strohfeuer? Oder: Warum Künstler sich organisieren.

Wenn man an die wirtschaftliche und soziale Situation selbstständiger Künstlerinnen und Künstler denkt, namentlich im Bereich der darstellenden Kunst, fallen einem Stichworte ein, wie z.B. geringe Gage, unstetige Beschäftigung, Selbstausbeutung, soziale Abhängigkeit, drohende Altersarmut. Man denkt an Musicaldarsteller, Tänzer, Sänger, Schauspieler und Musiker. Und vielleicht denkt man auch noch an den „Markt“, also Veranstalter, Produzenten, kommerzielle Musicals, private und öffentliche Bühnen. An das Publikum, das im kommerziellen Kunstbetrieb, vor allem im Musicalbereich, bereit ist, vergleichsweise hohe Eintrittspreis zu zahlen, denkt man in der Regel nicht. Und auch Themen wie Spartengewerkschaften oder Tarifeinheit werden einem in diesem Zusammenhang zunächst kaum in den Sinn kommen. Allerdings lohnt es sich durchaus, gedanklich genau diese Brücke zu schlagen.

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Denn die aktuelle politische Diskussion um die Begrenzung des zuletzt immer weiter gewachsenen Einflusses von Spartengewerkschaften durch die Neujustierung der Tarifeinheit ist ein Reflex. Eine Reaktion darauf, dass sich Angehörige bestimmter spezialisierter Berufsgruppen, in der öffentlichen Wahrnehmung allen voran die Piloten, Lokführer und Ärzte, zu extrem gut organisierten Fachgewerkschaften zusammengeschlossen haben. Sie haben dies getan, weil sie ihre ganz spezifischen beruflichen und sozialen Interessen nach dem alten Motto „Einigkeit macht stark“ gegenüber ihren Arbeitgebern, den Flug- und Bahngesellschaften, den Krankenhäusern und der öffentlichen Hand, durchsetzen wollen. Und sie haben sich auf abgegrenzte Berufsbilder eines Piloten, Lokführers oder Arztes und dessen konkrete Belange spezialisiert. Wenn man die großen Gewerkschaften als schwerfällige Tanker bezeichnen würde, die die Interessen der Beschäftigten von sehr heterogenen Bereichen vertreten (müssen), wären die Spartengewerkschaften kleine, aber kraftvolle Schnellboote.

Was hat das nun mit der sozialen Lage selbstständiger Künstler zu tun? Schaut man sich im Kunst- und Musikbetrieb näher um, stellt man bald fest, dass es einzelne Bereiche gibt, in denen die Künstler schon vor vielen Jahrzehnten, teilweise bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ihre Interessen in Arbeitnehmervereinigungen gebündelt haben, lange bevor es den Begriff „Spartengewerkschaft“ überhaupt gab. Das betrifft vor allem professionelle Sänger und Schauspieler, Chorsänger und Bühnentänzer an öffentlichen Bühnen, aber auch Orchestermusiker. Diese Berufsgruppen haben sich in jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit einzelnen Arbeitgebern oder Arbeitgeberverbänden tarifliche Arbeits- und Vergütungsbedingungen erkämpft, die sich einerseits an den Bedingungen des öffentlichen Dienstes orientieren, andererseits die spezifische künstlerische Arbeitssituation auf, vor und hinter der Bühne berücksichtigen. Diese Künstler sind ganz überwiegend abhängig beschäftigt und genießen aufgrund der für sie geltenden Tarifverträge eine gewisse soziale Absicherung. Diese wiederum ist für die Orchestermusiker mit überwiegend unbefristeten Arbeitsverträgen besser ausgestaltet als für Bühnenangehörige überwiegend befristeten Verträgen.

Warum ist das so? Orchestermusiker, die sich in Betrieben gewerkschaftlich engagieren, müssen nicht befürchten deswegen gekündigt zu werden; dagegen steht das deutsche Arbeitsrecht. Solisten, also Sänger oder Schauspieler, die Ensemblemitglied eines Theaters sind und sich dort gewerkschaftlich engagieren, laufen Gefahr, dass ihr Engagement „aus künstlerischen Gründen“ nicht verlängert wird, sollten sie „zu unbequem“ werden. Dieses unterschiedliche „soziale Bedrohungspotenzial“ der Mitglieder von Künstlergewerkschaften führt zu einem unterschiedlichen Organisationsgrad und damit zu einem unterschiedlichen Durchsetzungsvermögen der jeweiligen Verbände.

Selbstständige Künstler sind in der Regel „Einzelkämpfer“. Ausnahmen gibt es auch dort, nämlich wenn sie aus künstlerischen Gründen zwingend als Kollektiv, also als Musicalorchester oder als Chor- und Tanzgruppe, eingesetzt werden. Wer aber als Solist (Sänger, Schauspieler, Tänzer) tätig ist, hat bei der Verhandlung seines Engagements die schwächste Position. Diese wiederum ist abhängig a) von seinem Marktwert und b) dem Angebot an vergleichbaren Kräften. Eine bekannte Sängerin oder ein prominenter Schauspieler können in Verhandlungen mit einem Veranstalter naturgemäß bessere Gagen- und Auftrittsbedingungen durchsetzen als Berufsanfänger oder jederzeit austauschbare Gruppentänzer und -darsteller. Letztere haben kaum Möglichkeiten, Druck auf die andere Seite auszuüben, um bessere Bedingungen für sich zu erreichen.

Die öffentliche Anprangerung und Wahrnehmbarmachung „skandalöser Gagen- und unverschämter Auditionverhältnisse“ in den vergangenen zwei Jahren ist gewiss ein Verdienst von „art but fair“, vor allen Dingen in Österreich und Deutschland. Allerdings ist die Halbwertzeit der zu Beginn dieser Bewegung erzeugten öffentlichen Skandalisierung unzumutbarer Beschäftigungs- und Vergütungsbedingungen erkennbar begrenzt. Auch die anfängliche Euphorie betroffener Künstler und der Medien ist einer gewissen Ernüchterung gewichen. Der Versuch, gewisse soziale Standards für selbstständige Künstler in Form „goldener Regeln“ oder einer „Selbstverpflichtung“ zu etablieren, bleibt zunächst einmal ein Versuch. Dieser könnte ansatzweise dann gelingen, wenn die einschlägigen Veranstalter und Produzenten durch Öffentlichkeit, Medien, das Publikum oder den Gesetzgeber so stark unter Druck geraten, dass sie gar nicht mehr anders können, als soziale Verbesserungen für selbstständige Künstler einzuführen. Das aber ist ein steiniger Weg.

Letztlich ist es eine Frage der Evolution: Spartengewerkschaften sind durchsetzungsstark, weil sie eine hohe Konzentration gleichartiger Interessen bei einem hohen Organisationsgrad ihrer Mitglieder gegenüber Arbeitgebern positionieren. Wäre die Selbstverpflichtung hierfür noch besser geeignet, hätten Spartengewerkschaften sie bestimmt schon für sich entdeckt und eingesetzt. Eines aber ist auf jeden Fall klar: selbstständige Künstler werden wie alle anderen Berufsgruppen nur dann eine Chance auf Durchsetzung ihrer in der Sache vollkommen berechtigten sozialen Interessen haben, wenn auch sie sich gut organisieren, einen eigenen schlagkräftigen Verband aufbauen oder sich bereits bestehenden Gruppierungen, die ihren Interessen nahe stehen, anschließen.

MDR SINFONIEORCHESTER empfängt Flüchtlinge: Südamerikanisches Willkommenskonzert

Am 5. September verwandelte sich der Probensaal im MDR Würfel am Leipziger Augustusplatz in einen Konzertsaal. Das MDR SINFONIEORCHESTER und Kristjan Järvi hatten am Vormittag zu einem Willkommenskonzert eingeladen. Die Musiker spielten aus dem Konzertprogramm „Die Nacht der Mayas“, der Eröffnung der Spielzeit GO SOUTH – für mehr als 100 Flüchtlinge.

MDR Sinfonieorchester begrüßt Flüchtlinge

MDR Sinfonieorchester begrüßt Flüchtlinge (Foto: Henning Croissant)

Auf dem Programm standen Werke aus Südamerika, von Astor Piazzolla, Alberto Ginastera und Silvestre Revueltas. Kristian Järvi, Chefdirigent der MDR-Musiker, führte gut gelaunt durchs Konzert. Gerade die Flüchtlingskinder waren nicht nur mit großem Interesse und Aufmerksamkeit dabei, sondern ließen sich vom Rhythmus der Musiker anstecken oder wurden zu kleinen Gastdirigenten.
Die Flüchtlinge aus Syrien, Libyen, Irak und Iran feierten die Musiker mit spontaner Begeisterung. Beim anschließenden Kaffee und Kuchen blieb Zeit für Musiker und Flüchtlinge, sich über das Erlebte zu unterhalten.

Schon im April dieses Jahres hatten die Musikerinnen und Musiker des MDR SINFONIEORCHESTERS ein erstes Willkommenskonzert veranstaltet. Flüchtlingen in Leipzig wurde auch damals ermöglicht, sowohl eine Probe als auch das darauffolgende Konzert zu besuchen. Das MDR SINFONIEORCHESTER möchte weitere Willkommenskonzerte veranstalten. (Quelle: http://www.mdr.de, Foto: Henning Croissant)

Link zur MDR-Webseite mit weiteren Impessionen

Symphonic Mob am Leipziger Platz in Berlin

Ein musikalisches Vermittlungsprojekt der besonderen Art veranstaltet das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) am 19. September. Zum zweiten Mal wird es in der Hauptstadt einen Symphonic Mob geben. An dem Spontanorchester können sich Laien beteiligen, die Spaß am gemeinsamen Musizieren haben und einmal mit Profimusikern auftreten wollen. Auf dem Programm stehen jeweils zwei Tänze von Brahms und Dvořák.

DEU, Deutschland, Berlin, 31.08.2014, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin: erster Symphonic Mob im Auswärtigen Amt, [(c) Kai Bienert, Borkumstr.10, 13189 Berlin, Tel: 030 4719696, Mobil: 0171 5418507, Email: kb@mutesouvenir.com, www.mutesouvenir.com, Bankverbindung: Deutsche Bank 24, BLZ: 10070024, KTO: 2067650, IBAN: DE83100700240206765000, BIC(SWIFT):DEUTDEDBBER, Finanzamt Pankow/Weissensee, StNr.: 35/229/00156, UST-ID:DE137081101,NUTZUNG NUR GEGEN HONORAR UND COPYRIGHTNENNUNG! NO MODEL RELEASED - PERSÖNLICHKEITSRECHTE VOR DER PUBLIKATION KLÄREN! WWW.FREELENS.COM/CLEARING/] [#0,26,121#]

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin: erster Symphonic Mob am 31. August 2014 im Auswärtigen Amt in Berlin, (c) Kai Bienert

Das Konzert beginnt um 15 Uhr auf der Piazza der Mall of Berlin am Leipziger Platz, die Probe bereits 13.30 Uhr. Teilnehmen kann jeder, egal wie alt und wie gut das Instrument gespielt wird. Hauptsache, das Instrument kann ohne Verstärkung gespielt werden.

Die erste Veranstaltung in diesem innovativen Format fand am 31. August 2014 statt. Am Symphonic Mob im Auswärtigen Amt nahmen hunderte Laien teil. Das DSO erregte damit viel Aufmerksamkeit.

Mehr Informationen zum 19. September, u.a. Noten zum Herunterladen und Video-Tutorials, gibt es hier.
Hier geht es zum Mob-Video im vergangenen Jahr.

Konzerthausorchester-Chefdirigent Iván Fischer ruft zur Freilassung der Flüchtlinge in Ungarn auf

Im Rahmen seines Konzertes mit dem Konzerthausorchester Berlin zur Eröffnung der Konzerthaus-Saison 2015/16 hat sich Chefdirigent Iván Fischer mit einem Aufruf an das Publikum gewandt, in dem er die verantwortlichen Regierungen zur Freilassung der Flüchtlinge in Ungarn aufruft. Der ungarische Dirigent wird nächste Woche wieder nach Budapest für Proben mit dem von ihm gegründeten Budapest Festival Orchestra reisen.

Den Aufruf finden Sie als Video Link bzw. hier im Wortlaut:

„Meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zum Saisonbeginn. Und ganz besonders begrüße ich unsere Gäste aus Syrien, die heute das erste Mal im Konzerthaus mit uns Musik hören.

Und das bringt mich zu einem wichtigen Thema:
Ich höre aus Ungarn Sorgen erweckende Berichte. Dort werden Leute, viele müde und verzweifelte Leute, gegen ihren Willen aufgehalten.

Ich appelliere an alle Verantwortlichen – deutsche, ungarische und europäische Verantwortliche -, dass sie diese Leute sofort freilassen – sofort! Damit sie gehen können, wohin sie möchten und sich registrieren lassen, wo sie möchten.

Diese veralteten Regeln sind nicht mehr wichtig, in dieser Masse funktionieren sie sowieso nicht mehr.

Das Problem wird sich lösen, weil in Europa genug tolerante Menschen leben, die die Flüchtlinge warmherzig, großzügig, helfend und mit offenen Armen aufnehmen werden.

Möge Musik dazu beitragen,
Danke schön!“

Iván Fischer, Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin und Musikdirektor des Budapest Festival Orchestra

Vor nunmehr 26 Jahren, am 18. August 1989, dirigierte er das Orchester in Budapest in einem Konzert, zu dem er 400 DDR-Flüchtlinge einlud. Nach diesem Impuls gelang vielen von ihnen am Tag darauf beim Paneuropäischen Picknick die Flucht von Ungarn nach Österreich.