Am 18. und 19. Dezember 2020 veröffentlicht das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) unter dem Titel ›IM EXIL – VON GÖTTERN UND MENSCHEN‹ einen Konzertfilm in zwei Teilen. Gemeinsam mit seinem Chefdirigenten Robin Ticciati ist das DSO in der Friedrichswerderschen Kirche und in der Natur zu erleben. Für die Produktion von Sounding Images führte der Brite Frederic Wake-Walker Regie.

Die Zeit der #COVID19 Einschränkungen kreativ genutzt: Das DSO Berlin mit Robin Ticciati (Foto: Peter Adamik)

Der erste Teil verbindet eine Canzon von Giovanni Gabrieli und ein zeitgenössisches Werk von Ondřej Adámek, jeweils für Blechbläserensemble, mit Igor Strawinskys Ballettmusik ›Apollon musagète‹ für Streichorchester; die Online-Premiere findet am Freitag, den 18. Dezember um 20 Uhr statt. Der zweite Teil, der am Samstag, den 19. Dezember um 20 Uhr erstmals zu sehen ist, verschränkt die ›Jupiter‹-Symphonie von Wolfgang Amadeus Mozart mit Benjamin Brittens ›Metamorphosen‹ für Solo-Oboe.

Robin Ticciati und das DSO präsentieren einen Konzertfilm in zwei Teilen im DSO PLAYER

Abrufbar sind die beiden Teile des Konzertfilms über den DSO PLAYER unter dso-player.de zunächst als Live-Video, ab dem nächsten Morgen um 8 Uhr stehen sie als Video-on-Demand für 30 Tage kostenlos zum Nachsehen zur Verfügung.

Chefdirigent Robin Ticciati schlägt mit dem musikalischen Programm des zweiteiligen Konzertfilms ›IM EXIL – VON GÖTTERN UND MENSCHEN‹, das von Verweisen auf die antike Mythologie durchzogen ist, einen weiten Bogen von der Renaissance bis zur Gegenwart. Die Friedrichswerdersche Kirche, die nach achtjähriger Renovierung erst Ende Oktober für museale Ausstellungen wiedereröffnet wurde und im November Pandemie-bedingt wieder schließen musste, stellt mit ihrer Skulpturensammlung des 19. Jahrhunderts einen Begegnungsort der Künste dar. Dort beginnt der erste Teil des Films mit der ›Canzon in echo duodecimi toni à 10‹ für Blechbläserensemble des Spätrenaissance-Komponisten Gabrieli gleich einer Intrada. Darauf folgt mit Strawinskys Ballettmusik ›Apollon musagète‹ – ein Tanz von Apollon, dem Gott der Musik, mit den Musen des Tanzes, der Poesie und Hymnendichtung – ein eindrucksvolles Beispiel des musikalischen Neoklassizismus. Dieses Hohelied auf die vereinten Künste wird durchbrochen von dem in der Natur gefilmten ›Coups d’ailes‹ (Flügelschläge) für Blechbläseroktett von Ondřej Adámek. Inspirationsquelle für dieses Werk war für den in Berlin lebenden tschechischen Komponisten die im Pariser Louvre ausgestellte geflügelte Statue der griechischen Siegesgöttin, der ›Nike von Samothrake‹.

Der zweite Teil des Konzertfilms beginnt in der Friedrichswerderschen Kirche mit Mozarts letzter, berühmter Symphonie, die im 19. Jahrhundert ihren Beinamen ›Jupiter‹ – nach dem höchsten Gott der römischen Antike – aufgrund ihrer »göttlichen Vollkommenheit« erhielt und als Schlusswort der klassischen Symphonik aufgefasst wurde. Dabei greift das DSO erneut auf einen aufführungspraktischen Ansatz zurück, den es 2018 mit Händels ›Messias‹ erstmals umgesetzt und zuletzt im September 2020 mit Beethovens Vierter Symphonie erfolgreich fortgeführt hat: die Verwendung von Darmsaiten auf den Streichinstrumenten sowie den Einsatz von Naturtrompeten und -hörnern. Kontrapunktiert werden die Symphoniesätze durch Brittens ›Metamorphosen‹, die antike Mythen um das spannungsreiche Verhältnis zwischen Menschen und Göttern aufgreifen und, ebenfalls in der Natur, von den Solo-Oboist*innen des DSO, Viola Wilmsen und Thomas Hecker, interpretiert werden. Die Regie beider Filmteile lag in den Händen des Briten Frederic Wake-Walker, der dem Orchester seit seiner szenischen Einrichtung von Händels ›Messias‹ im Dezember 2018 vertraut ist.

Regisseur Frederic Wake-Walker: »Was ist ›IM EXIL – VON GÖTTERN UND MENSCHEN‹? Es ist kein Konzert. Es ist kein Live-Stream. Es ist keine gefilmte Probe. Es ist kein Musikvideo. Es ist ein Versuch, die Zuschauerinnen und Zuschauer perspektivisch in das Innere eines Symphonieorchesters zu versetzen. Es ist ein Ausdruck der Leere, die wir als Künstlerinnen und Künstler in diesem Jahr erfahren haben – in einer Zeit, in der die Zukunft so ungewiss und die Außenwelt so instabil sind, hat es uns die Gelegenheit gegeben, tief in uns selbst und zurück zu den antiken Göttern zu blicken. Es hat uns aus unseren gewohnten Räumen und Komfortzonen herausgeführt. Ohne unsere Vorstellungen und Paradigmen (Götter) und ohne unser Publikum, mit dem wir kommunizieren können (Menschen), ist das alles, was wir noch haben: unsere Musik und unsere Menschlichkeit.«

Nach den Pandemie-bedingten Veranstaltungsabsagen präsentiert das DSO mit ›IM EXIL – VON GÖTTERN UND MENSCHEN‹ ein weiteres Projekt in seiner Reihe abwechslungsreicher Produktionen, die über eine Konzertübertragung als konventionellen Live-Stream hinausreichen. Mit dem DSO PLAYER hat sich das Orchester eine Plattform geschaffen, um in dieser besonderen Zeit für sein Publikum hör- und sichtbar zu bleiben. Chefdirigent Robin Ticciati will damit »einen Weg in Richtung einer kulturellen Renaissance eröffnen, die es nach der derzeitigen Misere geben wird.«