Halberstadt: Vier junge Nachwuchskomponisten in Orchesterwerkstatt ausgezeichnet

In Halberstadt ist die „29. Orchesterwerkstatt junger Komponisten“ mit einem öffentlichen Konzert feierlich zu Ende gegangen. Vier Nachwuchskomponisten im Alter von nur 13 bis 15 Jahren aus Sankt Augustin, Darmstadt, Hamburg und Wunstorf durften sich über dotierte Auszeichnungen freuen.

Halberstadt/ Sachsen-Anhalt. Ein Konzert mit insgesamt sechs Uraufführungen war am 24. Mai 2018 im Nordharzer Städtebundtheater in Halberstadt zu erleben: Das Orchester spielte die Werke junger Tonkünstler, die aus ganz Deutschland angereist waren, um vom 21. bis 23. Mai gemeinsam mit erfahrenen Musikern an ihren Partituren zu arbeiten. Vier Talente sind im Anschluss an das Konzert mit Förderpreisen ausgezeichnet worden.

Teilnehmer der Orchesterwerkstatt (v.l.): Tjarbe Jonathan-Ernst Björkson, Ferdinand Heuberger, Helene Scharfe, Christian Brandenburger, Felix Gerstner, Johann Jakob Rahmstorf – Foto: Ray Behringer

Den Andreas-Werckmeister-Preis der Stadt Halberstadt, dotiert mit 500 Euro, überreichte Oberbürgermeister Andreas Henke an Christian Brandenburger. Der 14-jährige aus Sankt Augustin bei Bonn hatte die Jury mit seinem Stück „Landschaften III – Traumlandschaft“ überzeugt, das Teil eines größeren Werks ist.

Der Preis der Deutschen Orchester-Stiftung – ebenfalls in Höhe von 500 Euro – geht zu gleichen Teilen an Johann Jakob Rahmstorf (13 Jahre) und Tjarbe Jonathan-Ernst Björkson (14 Jahre). Der aus Hamburg stammende Rahmstorf wurde für sein Werk „Orchesterstück“ ausgezeichnet. Tjarbe Björkson aus dem niedersächsischen Wunstorf erhielt den Preis für seine Komposition „Dreißig Namen für Fluss“.

Den mit einem Kompositionsauftrag im Wert von 1000 Euro verbundenen Preis des Kuratoriums Stadtkultur Halberstadt durfte Ferdinand Heuberger entgegennehmen. Der 15-jährige Darmstädter hatte für die Orchesterwerkstatt das Stück „Sinfonie in einer Skizze“ verfasst. Heuberger erhielt außerdem den IMPULS-Preis. Dieser sieht die Teilnahme an der internationalen Masterclass 2019 vor, die im Rahmen des IMPULS-Festivals von der Komponistin und Orchesterwerkstatt-Tutorin Annette Schlünz geleitet wird.

Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke würdigte die Orchesterwerkstatt als „ganz besonderen Schatz“ der Stadt, die von 2018 bis 2020 unter dem Titel „Schatzjahre“ verschiedene Kulturjubiläen feiert. So begeht das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag, die Orchesterwerkstatt selbst wird 30 Jahre alt. Henke: „Jungen und jüngsten Komponisten wird ein Podium geboten, auf dem sie Orchesterfahrung sammeln, wo sie Aufführungspraxis erleben können“.Das Format trage dazu bei, dass diese Talente weiter gefördert werden, sodass sie „für kommende Generationen womöglich zu den modernen Klassikern zählen“.

Die „Orchesterwerkstatt junger Komponisten“ ist der einzige Kompositionswettbewerb Deutschlands, der vor allem Kindern und Jugendlichen bis 27 Jahren offensteht. Er wird vom Landesmusikrat Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Nordharzer Städtebundtheater und der Stadt Halberstadt veranstaltet und vom Land Sachsen-Anhalt, der Deutschen Orchester-Stiftung (DOS), der Harzer Volksbank sowie dem Kuratorium Stadtkultur Halberstadt e.V. gefördert.

 

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TVK Lohnrunde 2018 erfolgreich verhandelt

Die DOV hat gemeinsam mit den weiteren Künstlergewerkschaften die Lohnrunde 2018 mit dem Deutschen Bühnenverein am 9. Mai 2018 erfolgreich verhandelt.

Mehr Geld für TVK-Orchester und Berliner roc-Chöre

Hier die wesentlichen Ergebnisse:

  1. Die Vergütungen und Besitzstandszulagen der unter den TVL fallenden Orchester werden rückwirkend ab dem 1. Januar 2018 um 2,35% erhöht. Für die niedrigeren Vergütungsgruppen und Grundvergütungsstufen TVK D (bis Stufe 4), C und B (bis Stufe 3) wird zuvor noch in die Tabellen der Sockelbetrag von mindestens 75 Euro (aus der Lohnrunde 2016) eingerechnet und als Grundlage der neuen Vergütungsberechnung ab 1. Januar 2018 herangezogen (redaktionelle und rechnerische Korrekturen vorbehalten).
  2. Die Vergütungen und Besitzstandszulagen der unter den TV Hessen fallenden Orchester werden rückwirkend ab dem 1. Februar 2018 um 2,2% erhöht. Inkludiert ist für alle Beschäftigten ein landesweit gültiges ÖPNV-Ticket.
  3. Die Vergütungen und Besitzstandszulagen der unter den TVÖD Bund/Kommune fallenden Orchester (und Chöre der roc Berlin) werden rückwirkend ab dem 1. März 2018 um 3,19% erhöht. Musiker, deren Grundvergütung im Februar 2018 weniger als 2.799 Euro betrug, erhalten zusätzlich eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro.

Weitere Punkte:

Es wird drei getrennte Vergütungstabellen geben: TV-L Orchester, TV-Hessen Orchester und TVÖD.

Die Besitzstandszulagen werden erstmals seit 2009 schriftlich auf dem Stand 2018 tarifiert.

Am 13. September 2018  nehmen der Deutsche Bühnenverein und die DOV Verhandlungen zu einer Vergütungsstrukturreform auf, die vor allem die Situation der unteren TVK Vergütungsgruppen berücksichtigen soll.

ARTE: Zu wenig Geld für deutsche Orchester

Jedes zweite Profiorchester hat seinen Sitz in Deutschland. 18,2 Millionen Besucher zählen die Konzertsäle. Das sind mehr als die erste Fußballbundesliga vorweisen kann. Die deutsche Orchesterlandschaft hat wegen ihrer Vielfalt und Größe gute Chancen, 2019 von der UNESCO zum Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Dennoch schlägt die Deutsche Orchestervereinigung Alarm: Rund ein Drittel der deutschen Orchester zahlen Vergütungen unterhalb des Flächenvertrages.
Kulturstaatsministerin Grütters meint dazu im ARTE-Interview: Länder und Kommunen sollten ihre Orchester gut behandeln. Dazu gehöre auch, „anständige Löhne und Tarife zu zahlen.“ 100 Prozent Zustimmung!

https://www.arte.tv/de/videos/082117-000-A/zu-wenig-geld-fuer-deutsche-orchester/

Staatsoper für alle am 16./17. Juni 2018 in Berlin-Mitte

Am 16. und 17. Juni 2018 findet STAATSOPER FÜR ALLE – dank BMW Berlin – bereits zum zwölften Mal auf dem Bebelplatz statt. Mit einem Live-Konzert der Staatskapelle Berlin und einer Opern-Live-Übertragung von Verdis MACBETH mit Anna Netrebko und  Plácido Domingo – beides dirigiert von Daniel Barenboim. 2018 findet STAATSOPER FÜR ALLE, einer der Höhepunkte im Berliner Kultursommer, dank BMW Berlin bereits zum zwölften Mal statt – in diesem Jahr erstmals seit 2012 wieder als Wochenende im »klassischen« Format mit einem Open-Air-Konzert und einer Opern-Live-Übertragung auf dem Bebelplatz. Der Eintritt ist wie immer frei.

Staatsoper für alle!

Am Samstag, dem 16. Juni um 12 Uhr spielt die Staatskapelle Berlin unter freiem Himmel ein Sinfoniekonzert unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim. Auf dem Programm stehen Gioachino Rossinis Ouvertüre zu IL BARBIERE DI SIVIGLIA, Claude Debussys IBÉRIA aus IMAGES POUR ORCHESTRE sowie Igor Strawinskys LE SACRE DU PRINTEMPS. Am folgenden Abend (17. Juni) gibt es ab 18 Uhr die Möglichkeit, die ausverkaufte Premiere von Verdis MACBETH, dirigiert von Daniel Barenboim, mit Plácido Domingo in der Titelrolle und Anna Netrebko (Lady Macbeth), als Live-Übertragung auf dem Bebelplatz mitzuerleben.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden: »Mir ist es ein besonderes Anliegen, Oper so zugänglich wie möglich zu machen. STAATSOPER FÜR ALLE schafft dies seit zwölf Jahren auf wunderbare Weise! Auf dem Bebelplatz, im Herzen des historischen Zentrum Berlins, mischen sich bei dieser Veranstaltung Berliner, Touristen, Familien, junge sowie alte Musikliebhaber und Neugierige in entspannter, sommerlicher Picknick-Atmosphäre. Ob bei der Opernübertragung oder beim alljährlichen Open-Air-Konzert der Staatskapelle Berlin: immer wieder ist es fantastisch zu erleben, mit welcher Konzentration die zehntausenden Besucher zuhören und sich auf die Musik einlassen. Ich hoffe: Von dort ist es dann auch nur ein kleiner Schritt in die Staatsoper Unter den Linden!«

»Nachdem wir auch die große Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden im letzten Herbst als exklusiver Partner begleiten durften, freuen wir uns besonders, dass STAATSOPER FÜR ALLE im zwölften Jahr auch wieder mit einer zusätzlichen Opern-Live-Übertragung auf den Bebelplatz zurückkehrt – auf ein Sommerwochenende mit musikalischem Hochgenuss unter freiem Himmel in Berlins Mitte dürfen sich alle Berliner und Besucher der Hauptstadt freuen,« so Hans-Reiner Schröder, Direktor BMW Berlin.

Gemeinsam mit der Staatsoper Unter den Linden hat BMW Berlin 2007 die Open-Air-Eventreihe STAATSOPER FÜR ALLE im Herzen der Stadt ins Leben gerufen, die seitdem bereits über 350.000 Besucher begeistern konnte und inzwischen zu den stimmungsvollsten und erfolgreichsten Kulturveranstaltungen der Stadt gehört. STAATSOPER FÜR ALLE ist seit über einem Jahrzehnt das bedeutende Fundament der erfolgreichen und langjährigen Partnerschaft zwischen BMW und der Staatsoper Unter den Linden.

 

STAATSOPER FÜR ALLE 2018

Samstag, 16. Juni 2018, Beginn 12:00 Uhr

Open-Air-Konzert der Staatskapelle Berlin auf dem Bebelplatz

Dirigent: Daniel Barenboim

 

Sonntag, 17. Juni 2018, Beginn 18:00 Uhr

Opern-Live-Übertragung von Giuseppe Verdis MACBETH auf dem Bebelplatz

mit Plácido Domingo und Anna Netrebko

Dirigent: Daniel Barenboim

 

Eintritt frei.

Nominierung der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft für die internationale UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes in Paris eingereicht

Auf dem Weg zur internationalen Anerkennung der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit ist ein weiterer Meilenstein erreicht: Das Auswärtige Amt hat den Antrag offiziell der UNESCO übergeben.

Die Dresdener Philharmonie – eines von 129 Berufsorchestern in Deutschland

Die Szene der Theater und Orchester in Deutschland zeichnet sich durch eine besonders hohe Dichte und Vielfalt im Hinblick auf Genres, Ästhetiken, Ausdrucksmittel, Sprache und Aufführungsanlässe aus. Über die Aufnahme dieser Kulturform in die internationale UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes entscheidet ein Zwischenstaatlicher Ausschuss Ende 2019.

Staatsministerin Michelle Müntefering betont aus diesem Anlass: „Der deutsche Vorschlag der Theater- und Orchesterlandschaft für die UNESCO-Liste steht beispielhaft für modernes Immaterielles Kulturerbe. Die Nominierung zeigt, dass Theater und Orchester wichtige Räume der freien Meinungsäußerung, der öffentlichen Debatte und kritischen Reflexion sind. Sie macht auch deutlich, welch hohe Bedeutung die zahlreichen internationalen Kooperationen und Koproduktionen von Theatern und Orchestern haben: Sie fördern interkulturelle Begegnungen und Kommunikation auch jenseits des politischen Diskurses und damit das Verständnis füreinander. Genau diesen Dialog und diese gesellschaftlich wichtigen Freiräume wollen wir mit Hilfe internationaler Kulturpolitik weiter ausbauen und stärken.“

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins Ulrich Khuon unterstreicht: „Theater und Orchester schaffen kulturelle Räume für Erzählungen, Reflexionen und Gespräche innerhalb ihrer lokalen Gemeinschaften und tragen damit wesentlich zu Lebensqualität und Identität bei. Diese wichtigen sozio-kulturellen Räume müssen wir erhalten und weiterentwickeln. Deutschland hat die reichste Theaterlandschaft der Welt. Etwa die Hälfte aller Opernhäuser auf der ganzen Welt ist in Deutschland situiert. Und was Schauspielhäuser angeht, gibt es eine ähnliche Dichte.“

Der Generalsekretär des Deutschen Musikrats und Präsident des Deutschen Kulturrats Prof. Christian Höppner unterstreicht: „Die Dichte der Theater- und Orchesterlandschaft und die kulturelle Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen führt im Amateur- wie auch im Profibereich zu täglich gelebter Transkulturalität. In Zeiten auseinanderdriftender Gesellschaften und der zunehmenden Abschottung in digitalen Echokammern hat dies einen unschätzbaren Wert für das Zusammenleben in Vielfalt.“

Die Theater- und Orchesterlandschaft in Deutschland wird durch die rund 140 Staats- und Stadttheater sowie Landesbühnen mit Orchestern und 130 Opern-, Symphonie-, Rundfunk- oder Kammerorchestern sowie Kammerphilharmonien geprägt. Dazu kommen rund 220 private Theater, 100 Theater- und Symphonieorchester ohne feste Spielstätten, 2.200 freie Spielstätten, Gruppen und Ensembles und rund 2.500 Amateurtheaterbühnen, die zur Lebendigkeit der Szene einen bedeuten Beitrag leisten.

Historisch resultieren Dichte und Vielfalt der Theater- und Orchesterlandschaft aus der großen Zahl kleiner Staaten und Herzogtümer im 18. und 19. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Diese gründeten Theater und Orchester als repräsentativen Ausdruck ihrer Hingabe zu Kunst und Kultur. Später baute ein selbstbewusstes Bürgertum diese Vielfalt und Dichte weiter aus. Prägend ist bis heute das Repertoire- und Programmsystem mit einem dauerhaft engagierten Ensemble, mit dem Inszenierungen und Musikstücke über Monate oder Jahre hinweg verfügbar sind. Hinzu kommt eine sehr lebendige freie Szene sowie die vielfältigen Amateurtheater und -orchester.

2014 wurde die „Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft“ auf Initiative des Deutschen Bühnenvereins und des Deutschen Musikrats in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Ein Eintrag ist die Vorbedingung für eine UNESCO-Nominierung.

Hintergrund

 Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. 177 Staaten sind dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zum Immateriellen Kulturerbe zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die Listen des Immateriellen Kulturerbes. Bisher sind 366 Formen des Immateriellen Kulturerbes auf der internationalen Repräsentativen Liste eingetragen, 47 Elemente auf der Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes und 17 Gute Praxisbeispiele zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes.

Kriterien für die Anerkennung sind unter anderem eine nachweisbare Lebendigkeit und eine identitätsstiftende Komponente für die Trägergemeinschaft der Kulturform, die Entwicklung von Erhaltungsmaßnahmen, eine weitreichende Beteiligung der Trägergemeinschaft und die Eintragung in ein nationales Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Mit der Einschreibung verpflichten sich die Vertragsstaaten, das Immaterielle Kulturerbe auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu fördern.

Weitere Informationen:

UNESCO-Nominierungsfilm Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft

http://www.unesco.de/index.php?id=7571&rid=t_5767&mid=1444&aC=ea39dee7&jumpurl=-2

Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission zum Immateriellen Kulturerbe

http://www.unesco.de/index.php?id=7571&rid=t_5767&mid=1444&aC=ea39dee7&jumpurl=-3

 

365 Tage Elbphilharmonie Hamburg: Bilanz eines spektakulären Erfolgs

Hamburg – Die Elbphilharmonie Hamburg liefert ein Jahr nach ihrer Eröffnung eine beeindruckende Erfolgsbilanz ab. Rund 850.000 Gäste besuchten über 600 Konzerte, weit über 4,5 Millionen pilgerten auf die Plaza, nahezu 70.000 Personen nahmen an Konzerthausführungen teil, und die Musikvermittlungs-Angebote der Elbphilharmonie verzeichnen über 60.000 Menschen jeden Alters als Mitwirkende.

Die Elbphilharmonie – ein neues Wahrzeichen

Vor einem Jahr, am 11. Januar 2017, wurde die Elbphilharmonie Hamburg mit einem Festkonzert im Beisein fast der gesamten damaligen Staatsspitze – Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle – feierlich eröffnet. Etwa ein Viertel der geladenen Gäste hatte die Teilnahme bei einer Ticketverlosung gewonnen. Seither hat die vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Elbphilharmonie eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt. Rund 850.000 Menschen haben über 600 stilistisch vielfältige, stets der künstlerischen Exzellenz verpflichtete Konzertveranstaltungen in den Sälen der Elbphilharmonie besucht.

Neben den Konzertreihen des NDR Elbphilharmonie Orchesters, des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und des Ensemble Resonanz gastierten rund 70 Orchester in der Elbphilharmonie, darunter viele der besten Orchester unserer Zeit. Rund 130 Ensembles, Bands und Chöre sorgten für ein breitgefächertes Konzertangebot, das weit über die Klassik hinaus von Jazz über Weltmusik, Rock, Pop bis zu Elektronik und Hip Hop reicht. Mit zahlreichen Festivalformaten und thematischen Schwerpunkten sowie einer Reihe von Uraufführungen fiel die Programmkonzeption durchwegs auf äußerst positive Resonanz.

Insgesamt nahmen mehr als 60.000 Mitwirkende die vielfältigen Musikvermittlungsangebote wahr, die vom Babykonzert über Schulworkshops und Familienkonzerte bis zur regelmäßigen Teilnahme bei einem der 5 Mitmachensembles reichen. Im Rahmen der Elbphilharmonie Instrumentenwelt in den Kaistudios konnten im Kalenderjahr 2017 mehr als 18.000 Kinder und Erwachsene im Rahmen von Workshops erstmals die unterschiedlichsten Musikinstrumente ausprobieren.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: »Die Elbphilharmonie hat die internationale Wahrnehmung Hamburgs verändert und die Kultur hat ein neues Zuhause im Herzen der Stadt bekommen. Abend für Abend ausverkaufte Konzerte und rund 4,5 Millionen Besucher auf der Plaza zeigen die große Faszination, die dieses Haus und die Musik ausüben. Die Elbphilharmonie begeistert die Hamburgerinnen und Hamburger und unsere Gäste. Die bestechende Idee, mit einem Haus für alle einen kulturellen Identifikationspunkt zu schaffen, ist voll und ganz aufgegangen. Hamburg ist stolz auf die Elbphilharmonie und die kulturelle Vielfalt der Stadt, die sich auch in der Elbphilharmonie widerspiegelt. Generalintendant Christoph Lieben-Seutter: »Aus dem unglaublich dichten Programm des Eröffnungsjahres einzelne Höhepunkte hervorzuheben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Neben den unzähligen Konzerterlebnissen ist es nach wie vor eine tägliche Freude zu erleben, wie beeindruckt Besucher wie Künstler von der Elbphilharmonie und ihrer Atmosphäre sind.«

Die Nachfrage nach Konzertkarten ist auch ein Jahr nach der Eröffnung ungebrochen hoch und übertrifft bei einzelnen Konzerten das Platzangebot um mehr als das 20-fache. Bei Vorverkaufsstarts von besonders gefragten Konzerten oder Konzertreihen kommt daher weiterhin ein Vergabeverfahren zur Anwendung, das die Tickets unter allen Bestellern nach dem Zufallsprinzip vergibt. Regelmäßig ausgebucht sind auch die von der Elbphilharmonie angebotenen Konzerthausführungen, in deren Rahmen sich bereits rund 70.000 Menschen einen Eindruck vom Gebäude und seiner Geschichte machen konnten.

Die Plaza, die kostenlos zugängliche Plattform in 37 Metern Höhe mit der fabelhaften Aussicht über Stadt und Hafen, hat mit weit über 4,5 Millionen Besuchern seit ihrer Eröffnung am 4. November 2016 selbst die optimistischsten Prognosen deutlich überschritten. Sie ist Hamburgs Besuchermagnet Nummer eins. Auch das exzellente Abschneiden Hamburgs in Städterankings international führender Medien wie der »New York Times« oder in einflussreichen Reiseführern wie »Lonely Planet« ist auf den gewaltigen Attraktivitätsschub der Stadt durch die Elbphilharmonie zurückzuführen.

Nicht zuletzt übertraf das Medienecho auf die Elbphilharmonie im Eröffnungsjahr alle Erwartungen. Mehr als 50.000 Artikel erschienen weltweit in Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen, Periodika aller Art sowie online. Die Website http://www.elbphilharmonie.de verzeichnete rund 50 Millionen Zugriffe, und die Live-Streams und Konzertmitschnitte auf der Plattform Elbphilharmonie Worldwide sowie in den Social Media-Kanälen der Elbphilharmonie wurden insgesamt rund 3 Millionen mal aufgerufen.

Das Programm für die Konzertsaison 2018/19 wird im Mai veröffentlicht.

2018: Mehr Geld für Orchester und Theater!

Geht es der Wirtschaft schlecht und die Steuereinnahmen sinken, werden die öffentlichen Ausgaben im Kulturbereich als erstes gekürzt. Geht es der Wirtschaft gut und die Steuereinnahmen sprudeln, werden die Ausgaben im Kulturbereich als letztes erhöht. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Entwicklung der letzten zehn Jahre verfolgt. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, vor allem ausgelöst durch die Banken- und Investmentkrise in den USA, war auch in der Kulturfinanzierung in Deutschland zu spüren. Nicht nur bei öffentlichen Kultureinrichtungen, auch bei zahlreichen Musikfestivals, die die Zurückhaltung von Sponsoren zu spüren bekamen.

Viele Orchester und Theater brauchen eine bessere Finanzierung – Staatstheater Schwerin (c) DOV

Im Moment sprudeln die Steuereinnahmen für Bund, Länder und Kommunen so gut wie schon lange nicht mehr. Die öffentlichen Kassen sind voll. Die Wirtschaft brummt. Arbeitskräfte werden knapp. Die Beschäftigungsquote in Deutschland ist so hoch wie seit 1990 nicht mehr. Und ist nun deswegen finanziell alles gut für die Orchester und Theater in Deutschland? Leider nein. Zwar kann man sich über neu eröffnete und renovierte Konzertsäle und Theatergebäude freuen. Auch ist der Bund erstmals mit dem Programm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ verstärkt in die Finanzierung von Sonderprojekten regionaler Orchester eingestiegen. Ebenso gibt es vom Bund mehr Geld für die Stiftung Oper in Berlin und die Berliner Philharmoniker. In Nordrhein-Westfalen will die neue Landesregierung den Kulturhaushalt verdoppeln. Aber bei vielen Orchestern, vor allem in den fünf östlichen Bundesländern, die seit Jahren unter Haustarifverträgen arbeiten, in denen Musiker auf Vergütung verzichten, ist der neue Aufschwung noch nicht angekommen. Allein im Freistaat Sachsen klafft eine Finanzierungslücke von 12 bis 15 Millionen € bei den Personalkosten der Orchester und Theater.

Will der Staat glaubhaft bleiben, muss er neben notwendigen Investitionen, zum Beispiel in die digitale Infrastruktur, dort mehr Geld ausgeben, wo er in der Vergangenheit erkennbar zu stark gekürzt bzw. zu wenig erhöht hat. Im Freistaat Sachsen z.B. sind dies die Bereiche Bildung, Polizei, aber eben auch Kultur. Ausgerechnet in Sachsen, wo die Kultur per Gesetz im Jahr 1994 zur Pflichtaufgabe erklärt wurde, gibt es in Orchestern und Theatern im bundesweiten Vergleich die meisten Haustarifverträge mit Lohnverzicht der Beschäftigten. Diese Paradoxie muss ein Ende haben. Und zwar unverzüglich. Die DOV wird diesen Missstand gemeinsam mit den Betroffenen erneut anprangern. In der Hoffnung, dass die politisch Verantwortlichen den Hebel endlich umlegen und für eine auskömmliche Finanzierung der Orchester und Theater sorgen.

Gerald Mertens