„Musik-Gordi 2016“ – der Negativpreis des deutschen Musiklebens: Mitmachen beim Online-Voting bis 8.4.16!

Wer erhält in diesem Jahr den „Musik-Gordi – den gordischen Knoten des Musiklebens“? Mit dem Preis des Musikforums und der neuen musikzeitung werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die aktuelle oder drohende Missstände im Kultur- und Bildungsbereich zu verantworten haben. Alle Bürgerinnen und Bürger können ab sofort wieder online abstimmen.

Musik-Gordi 2016

Musik-Gordi 2016

Nominiert sind für den Musik-Gordi 2016:
Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft
Erik O. Schulz, Oberbürgermeister von Hagen
Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei des Freistaates Thüringen.

Eine Begründung zu den Nominierungen sowie das Online-Formular zur Abstimmung finden Sie unter www.musik-gordi.de. Bis Freitag, 08. April 2016, 14:30 Uhr ist die Stimmabgabe freigeschaltet. Die Bekanntgabe des Preisträgers findet im Rahmen der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main am Freitag, 08. April 2016 um 15:30 Uhr auf der Bühne des Gemeinschaftsstandes des Deutschen Musikrates und der neuen musikzeitung in Halle 8 statt.

Theo Geißler, Herausgeber der neuen musikzeitung, und Prof. Christian Höppner, Chefredakteur des Musikforums: „Der Gordi ist nicht nur der ‚Zitronenpreis des Musiklebens‘, sondern soll vor allem die Verantwortlichen zum Handeln auffordern, den gordischen Knoten kulturpolitischer Fehlentwicklungen zu durchschlagen. Wir appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger, sich an dem Online-Voting zu beteiligen, damit den Nominierten einmal mehr deutlich gemacht werden kann, dass ein erreichbares und bezahlbares Bildungs- und Kulturangebot vor Ort unverzichtbar für uns ist.“

Seit 2013 wird der „Musik-Gordi“ in Form einer verknoteten Blockflöte im Rahmen der Internationalen Musikmesse vergeben. Im letzten Jahr erhielt Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, für seine wesentlichen Fehlentscheidungen in der Mecklenburg-Vorpommerschen Theaterlandschaft den „Musik-Gordi“.

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Droht Kahlschlag bei Thüringer Orchestern und Theatern?

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) droht massiven Widerstand an gegen die am 20. August 2015 durch die Thüringer Landeszeitung und den MDR öffentlich gewordenen Abbaupläne der Thüringer Staatskanzlei für die Orchester und Theater im Freistaat. Den Medienberichten zufolge sollen u.a. das Deutsche Nationaltheater Weimar die Opernsparte aufgeben, die Landeskapelle Eisenach aufgelöst und die Thüringen Philharmonie Gotha mit dem Orchester in Erfurt fusioniert und verkleinert werden.

Sollen abgewickelt werden: Landeskapelle Eisenach

Sollen abgewickelt werden: Landeskapelle Eisenach

Die aktuellen Abbau- und Fusionspläne von Minister Benjamin-Immanuel Hoff sind inakzeptabel. Die Art und Weise, wie hier mit Thüringer Künstlerinnen und Künstlern und ihren Verbänden umgegangen wird, ist einfach unwürdig. Bereits seit neun Monaten hatte die DOV der Thüringer Staatskanzlei einen Dialog zur Lage und zur Zukunft der Orchester und Theater angeboten. Und nun soll man als Berufsverband und Vertreter der Beschäftigten einfach vor vollendete Tatsachen gesetzt werden. Das werden die Orchester und Theater im Land nicht einfach hinnehmen. Auch Oberbürgermeister, Landräte und Intendanten werden sich nun fragen lassen müssen, auf welcher Seite sie stehen.

Hoff ist ein durchaus geschickter Rhetoriker. Jedoch bei den erneut anstehenden Strukturüberlegungen zu den Thüringer Orchestern und Theatern schätzt er die Aufstellung der Protagonisten falsch ein: Er spricht vom „Trialog“ zwischen Land mit Intendanten und Kommunen. Mal ehrlich: Minister und Staatssekretäre (Land), Oberbürgermeister und Landräte (Kommunen) und Intendanten haben alle befristete Verträge/Mandate, und man hat seit 1990 schon viele von ihnen kommen und wieder gehen sehen. Das wird auch so bleiben. Andererseits: Die überwiegend aus der thüringischen Kleinstaaterei (Alleinstellungsmerkmal!) entstandenen und dadurch besonders traditionsreichen Orchester und Theater und ihre Beschäftigten (!) waren oft schon vor ihnen da und sind häufig auch nach den Abgängen der Protagonisten des „Trialogs“ immer noch da. Ebenso wie das Publikum, die Freunde und Förderer, die Wählerinnen und Wähler…

Wer als Minister den Beschäftigten der Orchester und Theater und ihrer Berufsverbände (Gewerkschaften) nicht absolut auf Augenhöhe begegnet, wird einen schweren Stand haben. Allein der ansatzweise Versuch, vollendete Tatsachen aus dem „Trialog“ am Ende den Beschäftigten zu präsentieren, sollte eigentlich nicht Maßstab einer rot-rot-grünen Landesregierung sein. Da reicht es auch nicht, mal im Landestheater Eisenach auf einer Betriebsversammlung aufzulaufen oder Smalltalk mit der Thüringer Orchesterkonferenz zu halten.

In den vergangenen 25 Jahren wurden in Thüringen von ehemals über 1000 Musikerstellen bereits über 400 abgebaut. Wenn man den Ruf Thüringens als Kulturland nicht endgültig ramponieren will, muss mit dem Abbau doch irgendwann einmal Schluss sein. Man kann darauf hoffen, dass die Staatskanzlei ihre Pläne umgehend revidiert und zeitnah in einen echten Sachdialog mit den Künstlerinnen und Künstlern und ihren Verbänden eintritt. Nur dadurch könnte dem bevorstehenden breiten Widerstand der Betroffenen und der Thüringer Bürgerinnen und Bürger gegen diesen erneuten Angriff auf die Thüringer Orchester- und Theaterlandschaft begegnet werden.

Die nächsten Wochen werden in Thüringen mal wieder spannend. Politisch, medial und rhetorisch.