#GoodPlay-FairPay – bundesweite Mindesthonorare für Orchesteraushilfen

Grundsätzlich unterliegen die Bedingungen, zu denen Aushilfskräfte bereit sind, in Orchestern einzuspringen, der individuellen Vereinbarung. Um jedoch Orchesterbüros und MusikerInnen in jedem Einzelfall aufwändige Absprachen abzunehmen, gab es in den letzten Jahrzehnten beispielsweise im Landesverband Mitte des Deutschen Bühnenvereins (NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland) eine entsprechende Übereinkunft mit der DOV.

Nachdem zuletzt in Gesprächen kein erneutes Einvernehmen über einen erforderlichen Inflationsausgleich der alten Honorarsätze erzielt werden konnte, hat sich die DOV entschlossen, nunmehr bundesweit Mindesthonorare für Orchesteraushilfen zu empfehlen.

Mindesthonorare für Orchesteraushilfen

Der DOV ist bekannt, dass es regional bislang sehr unterschiedliche Sätze gegeben hat. Wir halten diese aber an vielen Standorten für nicht mehr angemessen. Schließlich gelten für die meisten Musikerinnen und Musiker in Berufsorchestern bundesweit weitgehend einheitliche Tarifverträge, nach deren Vergütungstabellen Mitglieder z.B. eines A-Orchesters in Brandenburg oder Sachsen genauso viel verdienen wie in Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Soweit es nicht an einzelnen Standorten durch temporäre Notlagen-Tarifverträge mit geringeren Tabellenvergütungen örtliche Ausnahmen geben mag, besteht darüber hinaus keine Rechtfertigung, an Orchester-Standorten mit normaler Tarifvergütung Aushilfskräfte unterhalb der von der DOV empfohlenen Mindesthonorare zu verpflichten. Dies gilt auch unabhängig davon, ob es sich bei den Aushilfskräften um Studierende, Freischaffende oder MusikerInnen aus anderen Berufsorchestern handelt. Denn entscheidend ist die von ihnen erwartete und erbrachte Leistung auf der Bühne oder im Orchestergraben und nicht der Stand der Ausbildung oder der Beschäftigungsstatus.

Klassik ist auf Erfolgskurs

Berlin – Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) konstatiert ein größeres Besucherpotenzial und eine steigende Nachfrage nach klassischer Musik. „Allein zum Open-Air-Konzert der Berliner Philharmoniker am Brandenburger Tor unter dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko werden am 24. August über 30.000 Menschen erwartet“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der DOV.

Sehr beliebt: „Oper für Alle“ in Berlin

„Klassik ist insgesamt auf Erfolgskurs“, meint Mertens, „denn 45.000 Besucher bei Oper für alle mit Deutscher Staatsoper und Staatskapelle Berlin auf dem Bebelplatz im Juni 2019, 75.000 Besucher im Nürnberger Luitpoldhain bei den Nürnberger Philharmonikern, weitere 50.000 bei den Nürnberger Symphonikern im Sommer 2019, fast 70.000 Menschen bei Klassik airleben mit dem Gewandhausorchester Leipzig oder 20.000 erwartete Besucher beim hr-Sinfonieorchester Open Air in Frankfurt/Main am 22. August, kann man schwerlich anders bewerten.“

Besucherpotenzial größer als statistisch bislang belegt

Diese mehreren hunderttausend Musikliebhaber tauchen jedoch bislang in keiner offiziellen Besucherstatistik auf, denn der Eintritt zu vielen großen Klassik-Open-Air-Veranstaltungen ist frei. „Auch die Besucher kleinerer professioneller Klassikfestivals oder Open-Air-Konzerte, der Konzerte von Musikhochschulen, vieler Kammermusikveranstaltungen, der Konzerte in Kirchen oder in Universitäten werden statistisch grundsätzlich nicht erfasst“, beklagt Mertens. „Die verfügbaren Open-Air-Besucherzahlen dieses Sommers belegen aber auf jeden Fall ein großes Besucherpotenzial für Klassik – auch jenseits der Sommersaison“.

Neue Mindesthonorare für Orchesteraushilfen in NRW

Am 23. Mai 2019 hatten sich die Verhandlungsdelegationen der Deutschen Orchestervereinigung und des Landesverbands Mitte des Deutschen Bühnenvereins auf Eckpunkte einer möglichen Neuregelung der Mindesthonorare für Aushilfen bei den kommunalen Orchestern in NRW verständigt. Diese Neuregelung sah sowohl eine moderate Erhöhung der Honorare als auch eine Staffelung im Hinblick auf die Eingruppierung der Orchester vor.

Leider wurde dieses Ergebnis von den Orchestermanagern in NRW mehrheitlich nicht akzeptiert. Der geplante abschließende Gesprächstermin am 25. Juni 2019 in Köln wurde daraufhin abgesagt. Die DOV bedauert diese Entwicklung sehr.

Die Mindesthonorare für Orchesteraushilfen im Bereich des Landesverbands Mitte sind seit 2004 nicht mehr angehoben worden; demgegenüber sind die Tariflöhne seit 2004 um über 35% gestiegen. Eine angemessene Anpassung ist daher überfällig und wird von der DOV unverändert gefordert.

Daher der klare Aufruf:

Ab sofort empfiehlt die DOV allen Orchesteraushilfen in NRW, mindestens die Sätze zu verlangen, die auch mehreren Arbeitgebervertretern in den bisherigen Gesprächen zur Thematik in Köln als möglicher Kompromiss akzeptabel erschienen:

Orchester ab Kategorie A und aufwärts: Probensatz 135 €, Aufführungssatz 200 €

Orchester mit Eingruppierung unterhalb A: Probensatz 130 €, Aufführungssatz 190 €

Bitte informieren Sie alle Kolleginnen und Kollegen, Ihre regelmäßigen und gelegentlichen Aushilfen sowie Ihr Orchestermanagement von diesen Regelungen und fordern Sie zu deren Umsetzung auf.

Arbeitgeber, die nicht bereit sind, diese neuen Mindesthonorarregelungen umzusetzen, dürften bald häufiger Schwierigkeiten haben, überhaupt noch geeignete Aushilfen zu finden.

Für angemessene Orchesteraushilfenhonorare – „Fair Pay Wochen“

Die Geschichte der Aushilfenhonorare

Zuletzt im Jahr 2004 gab es eine Übereinkunft zwischen dem Landesverband Mitte des Deutschen Bühnenvereins und der DOV zu den Aushilfenhonoraren. Die Beträge waren seinerzeit sogar niedriger als ursprünglich, damit alle Orchesterträger im Landesverband Mitte (NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) einheitliche Beträge zahlen konnten. Die Übereinkunft ist längst 2006 ausgelaufen und wurde zusätzlich von der DOV gekündigt. Über 15 Jahre hat kein Inflationsausgleich stattgefunden.  Daher sind die Aushilfenhonorare nicht mehr angemessen. Seit 2004 wurden im öffentlichen Dienst folgende Vergütungserhöhungen umgesetzt: 2008: 3,1 %; 2009: 2,8 %; 2010-2013: 1,2 %, 0,6 %, 0,5 %, 3,5 %, 1,4 %, 1,4 % (mit „Zinseszinseffekt“ insgesamt 8,88 %); 2014: 3,0 %; 2015: 2,4 %; 2016: 2,4 %; 2017: 2,3 %; 2018: 3,19 %; Febr. 2019: 3,09%.  Seit Februar 2019 sind daher die Beträge von 2004 um 35,64 % zu erhöhen.

Was ist die Arbeit der Musiker/innen wert?

Musiker/innen haben eine lange Ausbildung seit Ihrer Kindheit, einschließlich Hochschulstudium durchlaufen. Sie kennen das Repertoire. Nur wer das jeweilige Stück technisch und musikalisch „drauf“ hat, kann kurzfristig einspringen. Diese Fähigkeiten haben Ihren Preis. Ohne den dargestellten Inflationsausgleich wird ihre Arbeit entwertet. Zu niedrige Aushilfenhonorare begünstigen die Nichtbesetzung fester Stellen in den Orchestern!

Der LV Mitte des Deutschen Bühnenvereins lehnt weiterhin Verhandlungen mit der DOV  ab. Die Behauptung, es habe Abstimmungsgespräche mit der DOV über die weitere Anwendung der Beträge aus 2004 gegeben, ist unzutreffend.

Um der berechtigten Forderung Nachdruck zu verleihen, rufen wir für Aushilfen in Orchestern des DBV-Landesverbandes Mitte (NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) „Fair-Pay-Wochen“ vom 1. bis zum 14. April 2019 aus.

  1. Musiker/innen aller Instrumentengruppen sind aufgerufen, nur zu den bereits mehrfach kommunizierten aktuellen DOV-Sätzen zu spielen.
  2. Werden diese Sätze nicht gezahlt, sollte die Aushilfstätigkeit abgelehnt werden. Machen Sie allen Kolleginnen und Kollegen aber auch den Orchesterbüros folgende Haltung klar: Wir spielen, wenn wir gebraucht werden – aber ab sofort nur zu fairen Bedingungen, d.h. zu den aktuellen DOV-Sätzen!
  3. Seien Sie untereinander solidarisch. Wer unterhalb der geforderten Sätze spielt, gefährdet für alle die Chance, bald angemessene Aushilfenhonorare zu bekommen.

 

  Stand Anpassung Februar 2019
 

 

2004 Solo/Stimmführer 2019 (Erhöhung um 35,64 %) Solo/Stimmführer/ Sonderinstrumente
    Zuschlag 25 %   Zuschlag 25 %
Probe 112,50 € 140,63 € 152,59 € 190,74 €
Lange Probe 140,00 € 175,00 € 189,89 € 237,36 €
Aufführung 165,00 € 206,25 € 223,80 € 279,74 €
Lange Aufführung 200,00 € 250,00 € 271,27 € 339,09 €

Hinzu kommen die übliche Reisekostenerstattung nach dem vor Ort geltenden Reisekostenrecht sowie ein damals vereinbarter Entfernungszuschlag:

Einfache Entfernung Wohnsitz-Aushilfsort (Bahnkilometer) 2004 Ab Feb. 2019 Erhöhung um 35,64 %
0-49 0 € 0 €
50-99 9,50 € 12,89 €
100-199 12,50 € 16,96 €
200-299 18,00 € 24,42 €
300 und mehr Freie Vereinbarung Freie Vereinbarung

 

Die Anhebung der Aushilfshonorare in Orchestern ist überfällig!

 

DOV-Faktencheck

Nachdem sich der Landesverband Mitte des Deutschen Bühnenvereins unverändert weigert, mit der DOV Gespräche über eine überfällige Anhebung der Aushilfshonorare um einen Inflationsausgleich seit 2004 zu verhandeln, kursiert seit Februar 2019 ein Schreiben der Orchestermanager des sogenannten „Kaffeekränzchens“. Dieses enthält verschiedene Behauptungen, denen wie folgt entgegenzutreten ist.

  1. Behauptung: die gegenwärtigen Aushilfssätze aus dem Jahr 2004 seien unverändert angemessen; wo anders (in Norddeutschland, in Ostdeutschland, in Wien) erhielten Aushilfsmusiker noch weniger.

Die Honorierung von Aushilfsmusikern kann nicht völlig losgelöst von der tariflichen Bezahlung der festangestellten Orchestermitglieder betrachtet werden, mit denen die Aushilfen für eine Probe oder Aufführung im selben Orchester zusammenarbeiten. Die Tariflöhne der TVK-Orchester sind seit 2004 um insgesamt 35,64% angestiegen.

Der Verweis auf angeblich niedrigere Aushilfshonorare an anderen Orten geht ins Leere. Denn im Zweifel sind auch diese Honorarsätze viel zu niedrig, weil sie ebenfalls seit vielen Jahren nicht mehr um die Inflationsrate bzw. allgemeinen Lohnabschlüsse erhöht worden sind. Sie scheiden als Bezugsgröße daher aus. Man kann auch die Stundenlöhne eines Klempners, Installateurs oder anderen Handwerkers für zweieinhalb Stunden Arbeitszeit plus Fahrtkosten zum Vergleich nehmen. Diese sind selbstverständlich in den letzten 15 Jahren regelmäßig nach oben angepasst worden. Auch für das Benzin, welches der Musiker bei An- und Abreise mit dem PKW benötigt, zahlt er bundesweit denselben Preis.

Der Beruf des/der Orchestermusikers/in ist hochspezialisiert, setzt eine akademische Hochschulausbildung voraus und diese Ausbildung beginnt – im Gegensatz zu anderen Berufen – grds. in der Kindheit. Daher dürfen Hochschulabsolventen auch ein angemessenes Honorar für ihre Tätigkeit erwarten. Wenn Aushilfsmusiker kurzfristig (gänzlich ohne vorherige Proben oder erst ab Haupt- oder Generalprobe) eingesetzt werden, z.B. um einen Vorstellungsaufall abzuwenden oder um vakante Stellen aufzufüllen, wird erwartet, dass sie sich ohne weiteres ins Orchester einfügen. Die hierfür zwingend erforderliche individuelle Vorbereitungszeit muss mit dem Honorar ebenfalls vergütet werden.

  1. Behauptung: das durchschnittliche Bruttogehalt eines Orchestermitglieds eines B-Orchesters betrage derzeit rund 100 € pro Dienst. Hiervon seien die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung in Höhe von 25 % abzuziehen. Der Nettoverdienst für Aushilfstätigkeiten liege daher um 25 % höher als im Dienstverhältnis und sei somit angemessen.

Diese Berechnungen sind irreführend und unzutreffend. Der festangestellte Musiker hat Anspruch auf 45 Kalendertage Urlaub pro Jahr sowie einen dienstfreien Tag wöchentlich.  Außerdem wird er durchgängig auch dann bezahlt, wenn er partiturbedingt gelegentlich nicht einsetzbar ist. Der Aushilfsmusiker wird nur für das bezahlt, was er tatsächlich leistet (Probe/Aufführung).

Die Grundvergütung eines Musikers in einem B-Orchester beträgt laut Tabelle gegenwärtig zwischen 2.962,60 € bis 4.085,75 €, im Mittel 3.524.18 €. Die mittlere Jahresvergütung (x 12,72) beträgt somit rechnerisch 44.820,57 €. Diese ist durch die Zahl der maximal möglichen Arbeitstage (365 – 45 Tage Urlaub -46 freie Tage = 274 Arbeitstage) zu dividieren. Hieraus errechnet sich eine mittlere Tagesvergütung von 163,60 € brutto.

Diese mittlere Tagesvergütung ist eine angemessene Orientierung für den aktuell für Aushilfen geforderten Probensatz von 152,59 € bzw. den Aufführungssatz von 223,80 €.

  1. Behauptung: es habe immer wieder Abstimmungsgespräche mit der DOV gegeben; die DOV habe immer ihr Einverständnis zu den bisherigen Honorarsätzen gegeben.

Dies ist nicht zutreffend. Die Orchestermanager räumen selbst ein, dass es seit 2004 keine Verhandlungen über die Honorarhöhe mehr gegeben habe. Sie bestreiten auch nicht die Höhe der seitdem in den Berufsorchestern erfolgten Lohnanpassungen als Inflationsausgleich in Höhe von 35,64 %. Die 2004 getroffene Festlegung der Honorarsätze ist durch die DOV gekündigt worden und daher als Grundlage für die Aushilfenhonorierung überholt.

  1. Behauptung: eine Erhöhung der Honorarsätze sei weder nachvollziehbar noch begründbar. Die vorhandenen Mittel würden schon jetzt nicht für die Finanzierung der Tarifsteigerungen, die „Kosten der Vakanzen ausreichen, erst recht nicht für die Anhebung der Aushilfssätze“.

Nochmals: die Forderung nach substanzieller Erhöhung der Aushilfshonorare folgt der vollzogenen Erhöhung der Tarifgehälter der Berufsorchester. Andernfalls wäre dieselbe Dienstleitung im Jahr 2019 ein Drittel weniger wert als im Jahr 2004. Das ist auch insbesondere freischaffenden Musikern, die keine weitere Festanstellung haben, nicht vermittelbar. Erhöhte Aushilfshonorare sind ebenso zu finanzieren wie die regelmäßige Erhöhung der Tarifgehälter.

Fakt ist: je geringer die erforderliche Honorierung von Aushilfskräften, desto höher der Anreiz für Orchesterträger mit Aushilfen, statt mit fest angestellten Orchestermitgliedern zu arbeiten.

Jede Dienstleistung hat einen Wert und einen Preis. Die Honorierung einer hochwertigen künstlerischen Dienstleistung, die von einem Aushilfsmusiker letztlich im Auftrag der öffentlichen Hand erbracht wird, muss sich an gewissen Mindeststandards messen lassen. Diese Mindeststandards werden für die festangestellten Musiker durch Tarifverträge gesetzt. Die Honorierung der Aushilfen muss sich an diesen Tarifvergütungen orientieren. Aus ihnen wird die mittlere Tagesvergütung (s.o.) als Orientierung abgeleitet.

  1. Die Orchestermanager „teilen die Auffassung, dass Sie (die Aushilfen) für ihre Tätigkeit eine angemessene Bezahlung erhalten müssen.“ Dieser Einschätzung sollten sie nun Taten folgen lassen. Was angemessen ist, haben wir mit Rundschreiben vom 31. Januar 2019 dargestellt und hier noch einmal erörtert. Jeder Berufsmusiker, der seine hochqualifizierte künstlerische Tätigkeit als Aushilfe nicht deutlich unter dem tatsächlichen Wert zu Markte tragen will, sollte daher eine entsprechend angemessene Forderung erheben.

Gez. Gerald Mertens

Geschäftsführer der DOV

www.dov.org

 

Zur neuen Spielzeit: Die Ärmel hochkrempeln!

Die Konzert- und Spielzeitpause geht zu Ende, erste Orchester, Rundfunkchöre und Bigbands starten in eine neue Saison. Was erwartet uns in den kommenden Monaten? Die öffentlichen Rundfunkanstalten sehen sich einem weiter steigenden Druck in der Debatte um ihre Legitimation und Finanzierung ausgesetzt: Zeitungsverleger und ihre Printmedien, Vertreter des privaten Rundfunks und der Medienpolitik – alle zerren an ARD, ZDF und Deutschlandfunk. Zwar hat das Bundesverfassungsgericht vor wenigen Wochen die Haushaltsabgabe ganz überwiegend für verfassungsgemäß erklärt. Auch scheint der Streit halbwegs geklärt, wie viele presseähnliche Angebote die Rundfunksender machen dürfen. Aber noch immer ist keine schlüssige Antwort gefunden, wie in Zukunft eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Anstalten und damit ihres Bildungs- und Kulturauftrags – einschließlich der Klangkörper – aussehen soll. Das lässt Raum für verwegene Spekulationen und politische Forderungen jeglicher Couleur.

Gute Aktion: der WDR zeigt mit vier Klangkörpern Flagge!

Was kann in dieser Lage getan werden? Der WDR jedenfalls zeigt Flagge. Am 8. September lässt er alle vier Klangkörper gemeinsam in einem Konzert zur neuen Saison auftreten. WDR Sinfonieorchester, Funkhausorchester, Chor und Bigband zeigen die gesamte Bandbreite ihrer musikalischen Möglichkeiten. Damit hoffentlich jeder merkt, warum Rundfunkgebühren hier gut investiert sind und am Ende auch einer gelebten kulturellen Vielfalt dienen. Zu deren Schutz sich Deutschland ja auch völkerrechtlich verpflichtet hat.

Für die Kommunal- und Staatsorchester ergibt sich in der neuen Saison ein gemischtes Bild: neue Chefdirigenten oder Theaterleitungen bringen frischen Wind, von Frankfurt (Oder) bis Ludwigshafen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verbessern sich die grundsätzlichen Rahmenbedingungen der Kulturfinanzierung, wobei für die DOV eine Menge kleinteilige Tarifarbeit und Lobbying bevorstehen.

Jetzt gilt es, aus viele Jahre geltenden Notlagen-Tarifverträgen herauszukommen, und in möglichst großen Schritten wieder Anschluss an die geltenden Flächentarife zu erreichen. In Bayern fordert die DOV, die Finanzierung der nichtstaatlichen Orchester zu verbessern, ebenso in Hamburg für die dortigen Symphoniker. Tarifpolitisch geht es in den kommenden Monaten gegenüber dem Deutschen Bühnenverein um die Debatte der TVK-Vergütungsstruktur.

Also: Die Ärmel hochkrempeln und los geht’s!

Gerald Mertens, Geschäftsführer der DOV

TVK Lohnrunde 2018 erfolgreich verhandelt

Die DOV hat gemeinsam mit den weiteren Künstlergewerkschaften die Lohnrunde 2018 mit dem Deutschen Bühnenverein am 9. Mai 2018 erfolgreich verhandelt.

Mehr Geld für TVK-Orchester und Berliner roc-Chöre

Hier die wesentlichen Ergebnisse:

  1. Die Vergütungen und Besitzstandszulagen der unter den TVL fallenden Orchester werden rückwirkend ab dem 1. Januar 2018 um 2,35% erhöht. Für die niedrigeren Vergütungsgruppen und Grundvergütungsstufen TVK D (bis Stufe 4), C und B (bis Stufe 3) wird zuvor noch in die Tabellen der Sockelbetrag von mindestens 75 Euro (aus der Lohnrunde 2016) eingerechnet und als Grundlage der neuen Vergütungsberechnung ab 1. Januar 2018 herangezogen (redaktionelle und rechnerische Korrekturen vorbehalten).
  2. Die Vergütungen und Besitzstandszulagen der unter den TV Hessen fallenden Orchester werden rückwirkend ab dem 1. Februar 2018 um 2,2% erhöht. Inkludiert ist für alle Beschäftigten ein landesweit gültiges ÖPNV-Ticket.
  3. Die Vergütungen und Besitzstandszulagen der unter den TVÖD Bund/Kommune fallenden Orchester (und Chöre der roc Berlin) werden rückwirkend ab dem 1. März 2018 um 3,19% erhöht. Musiker, deren Grundvergütung im Februar 2018 weniger als 2.799 Euro betrug, erhalten zusätzlich eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro.

Weitere Punkte:

Es wird drei getrennte Vergütungstabellen geben: TV-L Orchester, TV-Hessen Orchester und TVÖD.

Die Besitzstandszulagen werden erstmals seit 2009 schriftlich auf dem Stand 2018 tarifiert.

Am 13. September 2018  nehmen der Deutsche Bühnenverein und die DOV Verhandlungen zu einer Vergütungsstrukturreform auf, die vor allem die Situation der unteren TVK Vergütungsgruppen berücksichtigen soll.