Geigen und Bratschen als Handgepäck bei Air Berlin? DOV interveniert

In den letzten Tagen haben sich die Meldungen gehäuft, dass der Instrumententransport – insbesondere von Geigen und Bratschen – durch Air Berlin erheblich erschwert wurde. Da die Länge der Instrumentenkästen in der Regel das maximale Standardmaß von 55 cm überschreitet, wurde diversen Fluggästen vom Serviceteam mitgeteilt, dass eine Instrumentenmitnahme nur bei Buchung eines weiteren Sitzes in der Kabine möglich sei.

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Derartiges war bislang – auch von anderen Fluggesellschaften – nur für größere Musikinstrumente, beispielsweise Violoncelli, bekannt und geläufig. Dass Air Berlin sich jetzt aber in die Gruppe anderer Billigfluggesellschaften begibt, wie zum Beispiel Easyjet und Ryan Air, und den Instrumententransport von Geigen und Bratschen im Handgepäck massiv erschwert, ist sehr überraschend. Je nach Flugzeugtyp stellt die Mitnahme der Instrumentenkästen in der Praxis überhaupt kein Problem dar, denn durch die schlanke Kastenform ist es in der Regel möglich, diese ganz hinten in der oberen Ablage zu verstauen, so dass davor noch weiteres Handgepäck mit Standardmaßen verstaut werden kann.

Die DOV hat sich nunmehr persönlich an den Vorstandsvorsitzenden von Air Berlin, Stefan Pichler, gewandt und die Fluggesellschaft aufgefordert, zu einer für Musiker kundenfreundlichen Transportpolitik zurückzukehren und die unproblematische Mitnahme von Geigen, Bratschen und vergleichbar großen Instrumenten im Handgepäck zu ermöglichen.

„art but fair“ – Lichtblick oder Strohfeuer? Oder: Warum Künstler sich organisieren.

Wenn man an die wirtschaftliche und soziale Situation selbstständiger Künstlerinnen und Künstler denkt, namentlich im Bereich der darstellenden Kunst, fallen einem Stichworte ein, wie z.B. geringe Gage, unstetige Beschäftigung, Selbstausbeutung, soziale Abhängigkeit, drohende Altersarmut. Man denkt an Musicaldarsteller, Tänzer, Sänger, Schauspieler und Musiker. Und vielleicht denkt man auch noch an den „Markt“, also Veranstalter, Produzenten, kommerzielle Musicals, private und öffentliche Bühnen. An das Publikum, das im kommerziellen Kunstbetrieb, vor allem im Musicalbereich, bereit ist, vergleichsweise hohe Eintrittspreis zu zahlen, denkt man in der Regel nicht. Und auch Themen wie Spartengewerkschaften oder Tarifeinheit werden einem in diesem Zusammenhang zunächst kaum in den Sinn kommen. Allerdings lohnt es sich durchaus, gedanklich genau diese Brücke zu schlagen.

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Denn die aktuelle politische Diskussion um die Begrenzung des zuletzt immer weiter gewachsenen Einflusses von Spartengewerkschaften durch die Neujustierung der Tarifeinheit ist ein Reflex. Eine Reaktion darauf, dass sich Angehörige bestimmter spezialisierter Berufsgruppen, in der öffentlichen Wahrnehmung allen voran die Piloten, Lokführer und Ärzte, zu extrem gut organisierten Fachgewerkschaften zusammengeschlossen haben. Sie haben dies getan, weil sie ihre ganz spezifischen beruflichen und sozialen Interessen nach dem alten Motto „Einigkeit macht stark“ gegenüber ihren Arbeitgebern, den Flug- und Bahngesellschaften, den Krankenhäusern und der öffentlichen Hand, durchsetzen wollen. Und sie haben sich auf abgegrenzte Berufsbilder eines Piloten, Lokführers oder Arztes und dessen konkrete Belange spezialisiert. Wenn man die großen Gewerkschaften als schwerfällige Tanker bezeichnen würde, die die Interessen der Beschäftigten von sehr heterogenen Bereichen vertreten (müssen), wären die Spartengewerkschaften kleine, aber kraftvolle Schnellboote.

Was hat das nun mit der sozialen Lage selbstständiger Künstler zu tun? Schaut man sich im Kunst- und Musikbetrieb näher um, stellt man bald fest, dass es einzelne Bereiche gibt, in denen die Künstler schon vor vielen Jahrzehnten, teilweise bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ihre Interessen in Arbeitnehmervereinigungen gebündelt haben, lange bevor es den Begriff „Spartengewerkschaft“ überhaupt gab. Das betrifft vor allem professionelle Sänger und Schauspieler, Chorsänger und Bühnentänzer an öffentlichen Bühnen, aber auch Orchestermusiker. Diese Berufsgruppen haben sich in jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit einzelnen Arbeitgebern oder Arbeitgeberverbänden tarifliche Arbeits- und Vergütungsbedingungen erkämpft, die sich einerseits an den Bedingungen des öffentlichen Dienstes orientieren, andererseits die spezifische künstlerische Arbeitssituation auf, vor und hinter der Bühne berücksichtigen. Diese Künstler sind ganz überwiegend abhängig beschäftigt und genießen aufgrund der für sie geltenden Tarifverträge eine gewisse soziale Absicherung. Diese wiederum ist für die Orchestermusiker mit überwiegend unbefristeten Arbeitsverträgen besser ausgestaltet als für Bühnenangehörige überwiegend befristeten Verträgen.

Warum ist das so? Orchestermusiker, die sich in Betrieben gewerkschaftlich engagieren, müssen nicht befürchten deswegen gekündigt zu werden; dagegen steht das deutsche Arbeitsrecht. Solisten, also Sänger oder Schauspieler, die Ensemblemitglied eines Theaters sind und sich dort gewerkschaftlich engagieren, laufen Gefahr, dass ihr Engagement „aus künstlerischen Gründen“ nicht verlängert wird, sollten sie „zu unbequem“ werden. Dieses unterschiedliche „soziale Bedrohungspotenzial“ der Mitglieder von Künstlergewerkschaften führt zu einem unterschiedlichen Organisationsgrad und damit zu einem unterschiedlichen Durchsetzungsvermögen der jeweiligen Verbände.

Selbstständige Künstler sind in der Regel „Einzelkämpfer“. Ausnahmen gibt es auch dort, nämlich wenn sie aus künstlerischen Gründen zwingend als Kollektiv, also als Musicalorchester oder als Chor- und Tanzgruppe, eingesetzt werden. Wer aber als Solist (Sänger, Schauspieler, Tänzer) tätig ist, hat bei der Verhandlung seines Engagements die schwächste Position. Diese wiederum ist abhängig a) von seinem Marktwert und b) dem Angebot an vergleichbaren Kräften. Eine bekannte Sängerin oder ein prominenter Schauspieler können in Verhandlungen mit einem Veranstalter naturgemäß bessere Gagen- und Auftrittsbedingungen durchsetzen als Berufsanfänger oder jederzeit austauschbare Gruppentänzer und -darsteller. Letztere haben kaum Möglichkeiten, Druck auf die andere Seite auszuüben, um bessere Bedingungen für sich zu erreichen.

Die öffentliche Anprangerung und Wahrnehmbarmachung „skandalöser Gagen- und unverschämter Auditionverhältnisse“ in den vergangenen zwei Jahren ist gewiss ein Verdienst von „art but fair“, vor allen Dingen in Österreich und Deutschland. Allerdings ist die Halbwertzeit der zu Beginn dieser Bewegung erzeugten öffentlichen Skandalisierung unzumutbarer Beschäftigungs- und Vergütungsbedingungen erkennbar begrenzt. Auch die anfängliche Euphorie betroffener Künstler und der Medien ist einer gewissen Ernüchterung gewichen. Der Versuch, gewisse soziale Standards für selbstständige Künstler in Form „goldener Regeln“ oder einer „Selbstverpflichtung“ zu etablieren, bleibt zunächst einmal ein Versuch. Dieser könnte ansatzweise dann gelingen, wenn die einschlägigen Veranstalter und Produzenten durch Öffentlichkeit, Medien, das Publikum oder den Gesetzgeber so stark unter Druck geraten, dass sie gar nicht mehr anders können, als soziale Verbesserungen für selbstständige Künstler einzuführen. Das aber ist ein steiniger Weg.

Letztlich ist es eine Frage der Evolution: Spartengewerkschaften sind durchsetzungsstark, weil sie eine hohe Konzentration gleichartiger Interessen bei einem hohen Organisationsgrad ihrer Mitglieder gegenüber Arbeitgebern positionieren. Wäre die Selbstverpflichtung hierfür noch besser geeignet, hätten Spartengewerkschaften sie bestimmt schon für sich entdeckt und eingesetzt. Eines aber ist auf jeden Fall klar: selbstständige Künstler werden wie alle anderen Berufsgruppen nur dann eine Chance auf Durchsetzung ihrer in der Sache vollkommen berechtigten sozialen Interessen haben, wenn auch sie sich gut organisieren, einen eigenen schlagkräftigen Verband aufbauen oder sich bereits bestehenden Gruppierungen, die ihren Interessen nahe stehen, anschließen.

Deutsche Orchesterkonferenz 2015: Kommunen finanziell stärken

Zur Deutschen Orchesterkonferenz haben sich am 5. Mai 2015 Musikerinnen und Musiker, Orchestermanager und Intendanten sowie Spitzenvertreter aus Politik, Verwaltung und Verbänden getroffen. Gemeinsam diskutierten sie über die Zukunft der deutschen Orchester.

Deutsche Orchesterkonferenz im Kurfürstlichen Schloß Mainz

Deutsche Orchesterkonferenz im Kurfürstlichen Schloß Mainz

„In der Verteilungsdebatte haben die Orchester gute Argumente. Aber es gibt auch Fragezeichen“, sagte Walter Schumacher, Staatsekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, in seinem Grußwort. „Ich weiß, was viele Orchester an Innovation leisten. Deshalb haben sie auch Perspektiven.“ Ziemlich treffend umriss er damit gleich zu Beginn das Konferenzthema. Unter dem Motto Innovation und Perspektive diskutierten im Kurfürstlichen Schloss Mainz rund 220 Gäste über die Zukunft der öffentlich finanzierten Orchester, Rundfunkensembles und Theater. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) veranstaltet die hochkarätige kulturpolitische Konferenz alle drei Jahre.

Innovation und Perspektive – Zukunftsdialog für Theater, Orchester und Rundfunkensembles

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den DOV-Vorsitzenden Hartmut Karmeier und Geschäftsführer Gerald Mertens umriss Holger Noltze, Professor für Musik und Medien an der Technischen Universität Dortmund, die disparaten Rahmenbedingungen. Zwar werde die Wertschätzung von Musik in vielen öffentlichen Reden deklamiert. Doch allzu oft spiegele sich dies nicht in der politischen Praxis wider. Neben einem anhaltenden Verteilungskampf um kulturelles und ökonomisches Kapital warnte er vor einem „Cocktail diverser und insgesamt negativer Einflussfaktoren“. Dazu zählte Noltze unter anderem den „Wagenburg-Lobbyismus des Musikbereichs“, das Verschwinden des klassischen Bildungsbürgertums, die „durchschlagende Ökonomisierung“ des Kulturbereichs, die „zunehmende Selbstvergessenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Bezug auf seinen Kulturauftrag“ und einen „Affekt gegen Hochkultur“. Es gebe aber auch gute Argumente: „Machen Sie deutlich, warum ein Orchester so wichtig in einer Stadt ist und justieren Sie sich neu jenseits der alten Selbstverständlichkeiten!“

In diesem Sinne agierten Orchester bereits, konterte Professor Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrats (DKR), der durch die folgende Diskussion über Kulturfinanzierung führte. Karmeier stimmte zu: „Der Beruf des Orchestermusikers und die Werte, für die er steht, haben sich in den letzten zwanzig Jahren enorm geändert.“ Neue Konzertformate bis hin zu Willkommenskonzerten für Flüchtlinge belegen das.

„Seit den 70er und 80er Jahren ist das Interesse in den politischen Gremien deutlich zurückgegangen“, sagte Professor Felix Semmelroth, Kulturdezernent in Frankfurt am Main. Es gebe eine „deutliche Ökonomisierung“. Das betreffe allerdings nicht das Publikum. Als „gutes Zeichen“ wertete Rolf Bolwin, geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, dass jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro in die öffentliche Kulturfinanzierung fließen: „Ich kann nicht erkennen, dass diese Summe zur Disposition steht. Dennoch müssen wir von dem überzeugt sein, was wir machen.“

Karmeier machte deutlich, dass die Kommunen als Hauptträger der Orchester und Theater oft in finanziellen Zwangslagen sind. „Ihre finanzielle Entlastung durch den Bund ändert leider nichts an den grundlegenden Strukturproblemen. Deshalb brauchen wir dringend eine kommunale Finanzreform.“ Auf dem Podium wurde überlegt, ob sich Verbände wie der Bühnenverein, die DOV und der DKR künftig gemeinsam stärker für eine solide Finanzierung der Kommunen einsetzen könnten.

Einen neuen Weg hat Sachsen bereits vor einigen Jahren mit der Verabschiedung des Kulturraumgesetzes gesucht. Das Gesetz definiert Kultur als Pflichtaufgabe und beteiligt das Land mit zwei Dritteln an der Finanzierung. Das verbleibende Drittel steuern die Kommunen über eine Umlage bei. „Das Land stützt damit dezentrale Strukturen“, sagte Uwe Gaul, Staatssekretär im Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. „Faktisch sind die meisten Mittel im Bereich Theater und Orchester gebunden. Für neue Projekte ist relativ wenig Luft.“

Die Befürchtung von Kulturpolitikern und kulturellen Akteuren, dass mit einem solchen Gesetz konkrete Ausgaben festgeschrieben und im Laufe der Zeit möglicherweise gesenkt werden, hat bislang verhindert, dass das Sächsische Modell von anderen Ländern übernommen wurde. „Es eignet sich nicht unbedingt als Blaupause, die der kulturellen Vielfalt in den Ländern gerecht wird“, lautete Höppners Zwischenbilanz.

Eine Idee des Deutschen Musikrats (DMR) brachte Karmeier ins Spiel, der auch Vizepräsident des Verbandes ist: „Der Bund könnte einen Musikfonds einrichten.“ Vor allem in Ostdeutschland gebe es bereits Bundesprogramme zur nationalen Kulturförderung, bei denen der Bund in der Kulturförderung aktiv ist. „Das Geld ist vorhanden. Es müsste aber auch der politische Wille da sein.“ Für Semmelroth wäre die Festschreibung von Kulturausgaben ein realistischer Weg. Erwähnung fand auch der Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), den Anteil der Kommunen an den Einnahmen aus der Umsatzsteuer zu erhöhen.

Nach der TTIP-kritischen Performance der DOV am 4. Mai, die in den Medien bundesweit große Beachtung gefunden hatte, wurde ausführlich über das Transatlantische Handelsabkommen diskutiert. Trotz unterschiedlicher Auffassungen im Detail herrschte Einigkeit, dass der Kulturbereich nicht kommerzialisiert werden darf und bei den Verhandlungen mehr Transparenz notwendig ist. Während die DOV und der DKR nach der Devise Wehret den Anfängen handeln und sich öffentlichkeitswirksam positionieren, setzt der Bühnenverein eher auf ein gesundes Augenmaß bei den Verhandlungen, das einer Aushöhlung des Kultursektors entgegenstünde. „Europäische Kulturen haben immer wieder ein hohes Maß an Resistenz bewiesen. Das wird hoffentlich auch dieses Mal so sein“, sagte auch Semmelroth.

Unter dem Motto Zwischen Kulturauftrag und Haushaltsabgabe stand die Diskussion am Nachmittag, in der es um die ARD-Rundfunkklangkörper ging. „Sie haben weiter einen festen Platz im programmbezogenen Rundfunksystem“, sagte Matthias Cornils, Professor für Medienrecht an der Universität Mainz. Ihr Wirken sei gesetzlich klar legitimiert. Allerdings habe die Einführung der Rundfunkgebühr den Druck auf die Rundfunkorchester erhöht. „Zudem stößt unter sich ändernden Rahmenbedingungen eine weitere Auslegung ihres Auftrags noch auf legitimatorische Grenzen.“ Dennoch werde der Bildungsauftrag der Klangkörper bedeutender. Das Dvorak- und das Gershwin-Projekt setzen in diesem Bereich Maßstäbe.

Der Wissenschaftler nennt auch die Verbreitung von Konzerten über Youtube, die kaum eine Konkurrenz zu privaten Anbietern darstellten. Der Hessische Rundfunk unterhält einen Youtube-Kanal und sei damit erfolgreich, sagte Dr. Heinz Sommer, Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks, in der folgenden Podiumsdiskussion. „Ich glaube, dass diese Art der weltweiten Verbreitung immer wichtiger wird.“ Andere Sender würden ebenfalls über eine Einführung nachdenken. Begrenzt würden innovative Angebote allerdings durch finanzielle Mittel.

 

Christian Höppner forderte eine „bedarfsgerechte Finanzierung“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. „Mir ist klar, dass das gesellschaftspolitisch ein schwieriger Akt ist.“ Das zeige zum Beispiel die Debatte um Werbeinnahmen, die unter anderem im Deutschen Kulturrat geführt wird. Sommer sagte voraus, dass sich die Rolle der Werbung in Zukunft stark verändern werde. Einen konkreten Ausblick gab er nicht.

Einen inhaltlich größeren Bogen schlug Kristjan Järvi, Künstlerischer Leiter des mdr-Sinfonieorchesters Leipzig. Er wies auf die weltweit einzigartige Rolle des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems hin. „Sie sollte weiter ausgebaut und nicht gekürzt werden.“

Den feierlichen Abschluss der Deutschen Orchesterkonferenz bildete die Verleihung des Hermann-Voss-Kulturpreises. Die DOV überreichte ihn in diesem Jahr an die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) für ihre Verdienste um die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft. Im Dezember vergangenen Jahres hatte sie die Kommission in ihre bundesweite Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. „Damit hat die UNESCO-Kommission die weltweit einzigartige Stellung der deutschen Orchester und Theater weiter gestärkt“, sagte Gerald Mertens in seiner Laudatio und überreichte die Urkunde zum Preis an DUK-Präsidentin Verena Metze-Mangold.

Die DOV verleiht den Preis seit dem Jahr 1979 alle drei Jahre für besondere Verdienste um die deutsche Orchesterkultur. Preisträger in der Vergangenheit waren u.a. der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth, WDR-Intendant Fritz Pleitgen, die Dirigenten Kurt Masur und Gerd Albrecht sowie im Jahr 2012 Irene Schulte-Hillen, Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Den Sonderpreis erhielt Barbara Lambrecht-Schadeberg. Die Mitgesellschafterin der Krombacher Brauerei erhält ihn für ihr Engagement für die Musikstiftung der Philharmonie Südwestfalen und für ihre persönliche Unterstützung des Orchesters. Der Sonderpreis ist undotiert.

Die Klassik lebt! WAZ-Interview zur Zukunft des Konzerts

Quo vadis klassisches Konzert?  Als Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) muss Gerald Mertens nicht nur das Konzertpodium der Gegenwart im Blick haben.
Berliner Philharmonie - Einer von vielen Zukunftsorten der Klassik

Berliner Philharmonie – Einer von vielen Zukunftsorten der Klassik

Wie lange noch werden sich Menschen zusammenfinden für Beethoven und Brahms? Wie prägen digitale Welt und eine alternde Gesellschaft die Klassik, fragte ihn Lars von der Gönna.
Die Zukunft des klassischen Konzerts – | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/kultur/die-zukunft-des-klassischen-konzerts-id10454153.html#plx782787670

Ein ARD-Konzert macht Schule (12. November 2015): „Das Gershwin-Experiment“

Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr mit dem „Dvořàk-Experiment – Ein ARD-Konzert macht Schule“ geht die gemeinsame Edukationsarbeit aller Landesrundfunkanstalten in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat nun mit dem „Gershwin-Experiment“ in die nächste Runde. Nach dem NDR 2014 übernimmt in diesem Jahr der Bayerische Rundfunk die Federführung des Projektes, mit dem Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland für klassische Musik begeistert werden sollen. Die DOV begrüßt und unterstützt diese Aktivitäten der Rundfunkanstalten nachdrücklich.

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Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor: „Mehr als 22.000 junge Menschen haben sich im vergangenen Jahr mit ihren kreativen Ideen am Dvořák-Experiment beteiligt. Das zeigt: Klassische Musik ist auch für Junge attraktiv. Den Taktstock übergeben wir gern an den Bayerischen Rundfunk, der dieses außergewöhnliche Projekt nun fortsetzt. Ich bin gespannt, wie Mariss Jansons George Gershwins Werk und Leben interpretiert. Auf dieses ganz besondere, klassische Experiment freue ich mich sehr.“

Höhepunkt ist am 12. November 2015 um 11.00 Uhr das Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Unter der Leitung von Chefdirigent Mariss Jansons wird das Orchester die „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin und den 4. Satz des „Concert Romanesc“ von György Ligeti spielen. Solist am Klavier ist Denis Matsuev. Das Konzert im Herkulessaal der Münchner Residenz wird live in allen Kulturprogrammen der ARD sowie im Deutschlandradio übertragen. Außerdem kann das Konzert im Bayerischen Fernsehen sowie im Livestream über br-klassik.de verfolgt werden.

Bundesweit sind Schülerinnen und Schüler vorwiegend der Klassenstufen 7 bis 10 angesprochen, ihre Lehrerinnen und Lehrer sowie die Musikschulen. Mit umfangreichen Informationen, Interviews, Arbeitsanregungen sowie Spielen und Workshops sollen Kinder und Jugendliche einen Zugang zur klassischen Musik finden. Sie können sich mit dem Unterrichtsmaterial, das auf der Seite schulkonzert.ard.de angeboten wird, auf das Konzert vorbereiten, im Unterricht Stücke erarbeiten oder Projekte gemeinsam mit ihren Lehrern entwickeln.

Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates: „Vor wenigen Wochen ist die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Damit ist nicht nur eine große Wertschätzung für die kulturelle Vielfalt in unserem Land, sondern auch der Auftrag verbunden, diese zu schützen und zu fördern. ‚Das Gershwin-Experiment‘ ist ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg, jedem Kind und jedem Jugendlichen die Chance auf kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Denn kulturelle Teilhabe ist die Grundlage unseres vielfältigen Musiklebens. Die ARD nimmt dabei ihre Rolle als Kulturvermittler in vorbildlicher Weise wahr.“

Die komplette Pressemitteilung der ARD finden Sie hier.

Weitere Informationen zu „Das Gershwin-Experiment“ unter www.schulkonzert.ard.de

 

OrchestermusikerIn der Zukunft? Neuer Dialog ist angestoßen

Köln – Am 27. Januar 2015 ging das zweitägige Symposium „OrchestermusikerIn der Zukunft – Ausbildung, Auswahl, Arbeitsmarkt“ zu Ende. Veranstalter waren die DOV, der Deutsche Bühnenverein und die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen. Zum Auftakt kamen etwa 150 Besucher in die Hochschule für Musik und Tanz Köln, unter anderem aus Kanada.

Intensive Diskussionen zur Zukunft des Musikerberufs

HMT Köln: Intensive Diskussionen zur Zukunft des Musikerberufs

Über die aktuelle Lage, Perspektiven und Zukunft junger Musiker diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Gewerkschaft und Hochschulen, Intendanten, Dirigenten, und Studierende. Debatten um Zusammenlegungen von Orchestern, Kürzungen von Stellen und politische Forderungen zur bedarfsorientierten Ausbildung an den Hochschulen wie zuletzt in Baden-Württemberg hatten dazu geführt, dass die drei Institutionen zum ersten Mal gemeinsam eine solche Veranstaltung ausrichteten.

Heinz Geuen, Rektor der Kölner Hochschule, und Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und Schirmherrin, eröffneten das Symposium. Die Anerkennung der Orchester- und Theaterlandschaft als Immaterielles Kulturerbe sei „eine große Ehre und große Verpflichtung“, sagte Schäfer, „Orchestermusiker haben auch eine wichtige Rolle in der kulturellen Bildung.“

Einen kenntnisreichen Überblick über die aktuelle Debatte gab Holger Noltze, Musikjournalist und Professor an der Technischen Universität Dortmund. Er betonte, dass die Pflege des Musiklebens eine öffentliche Aufgabe sei. Musik vermittle Schlüsselkompetenzen wie Zuhören oder komplexes Erfassen. Gleichzeitig müssten sich Musiker immer wieder die Frage stellen, wie sie das Publikum erreichen. „Warum sollten Menschen runter von der Couch und weg vom Fernseher? Weil sie wirkliche Menschen an einem wirklichen Ort erleben, die ihnen neue Erfahrungen ermöglichen.“

Anschließend diskutierten der DOV-Vorsitzende Hartmut Karmeier und Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, über die Beschäftigung von Musikern. Neue Konzertformate, Projekte der Musikvermittlung, verstärkte Reisetätigkeit durch Zusammenlegungen von Orchestern – die Anforderungen an die Musiker sind gewachsen. Rektoren berichteten über neue Studiengänge und -modelle, u.a. in Nürnberg. Ausführlich wurde auch über die Auswahlpraxis von Musikerinnen und Musikerinnen diskutiert. In kleinen Runden (Weltcafé) konnten die Teilnehmer ihre Ideen, Anregungen und Kritik an der gängigen Praxis von Ausbildung, Auswahl und Beschäftigung einbringen.

Zu Beginn des zweiten Tags fasste Moderator Michael Struck-Schloen diese Ideen zusammen: Während des Studiums sollten Selbst- und Gesundheitsmanagement noch wichtiger werden. Es habe sich herauskristallisiert, dass das Probespiel reformbedürftig sei, sagte Struck-Schloen. Musiker wünschten zum Beispiel ein weniger strenges Repertoire und mehr Raum für persönliche Gespräche. Im Berufsalltag ginge es um Wertschätzung, gerechte Bezahlung oder den Mut, bei der Gestaltung der Programme Neues zu wagen, zum Beispiel Clubkonzerte. Angeregt wurde auch die Erstellung von Anforderungsprofilen für Orchester.

Anschließend stellten Studierende die Ergebnisse einer Umfrage unter den Ensemblemitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie vor. Ein wichtiges Ergebnis: Sechzig Prozent sind zuversichtlich, in Zukunft als Musiker ihre finanzielle Lebensgrundlage bestreiten zu können.

Die folgende Diskussion zwischen Studierenden, die in der Jungen Deutschen Philharmonie Erfahrungen sammeln, nahm das Publikum ausgesprochen lebhaft auf. Daraus entwickelte sich ein Austausch zwischen den Studierenden und Rektoren, Orchesterchefs sowie Verbandsvertretern. Im Vordergrund standen die Motivation des Musizierens in Hochschulorchestern, die Praxis des Probespiels, das Lehrangebot während der Ausbildung und der Berufsalltag im Orchester.

In der Abschlussdebatte wies Dr. Christoph Dittrich, Generalintendant des Chemnitzer Theaters, angesichts der schwierigen Finanzlage vieler Kommunen auf die Herausforderung einer auskömmlichen Finanzierung von Orchestern und Theatern hin. Dirk Kaftan, Generalmusikdirektor in Graz, berichtete von seinem Anliegen, mit Musikern ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel durch die Gründung der Arbeitsgruppe Graz 2030 oder gemeinsames Nachdenken über eine Zukunftsvision für das Orchester.

Hartmut Karmeier, DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens, Rolf Bolwin und Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann als Vertreterin der Hochschulrektoren waren sich einig, dass dieses Symposium ein gelungener Einstieg in die gemeinsame Debatte war. Gerade weil das Berufsbild des Orchestermusikers stark in Bewegung sei und mitunter unterschiedliche Auffassungen existieren, würde der begonnen Dialog fortgesetzt.

Konzertmarkt in Deutschland stabil – Immer mehr Kinder- und Jugendkonzerte

Die Deutsche Orchestervereinigung hat am 20. Januar 2015 in Berlin  die aktuelle Konzertstatistik vorgestellt. Die Daten werden alle zwei Jahre bundesweit bei den Konzert- und Opernorchestern sowie Rundfunkensembles erhoben. Vor allem die Zahl der musikpädagogischen Veranstaltungen stieg stark an: In der Saison 2013/14 gab es 4.160 Konzerte und Musikvermittlungsangebote für Kinder und Jugendliche. Das sind 94 Prozent mehr als vor zehn Jahren, im Vergleich zur letzten Erhebung 10,8 Prozent. „Das zeigt, wie ernst Orchester die Bildungsarbeit nehmen“, sagt DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens.

Leipziger Gewandhaus: Einer von vielen gut besuchten Konzertorten in Deutschland

Leipziger Gewandhaus: Einer von vielen gut besuchten Konzertorten in Deutschland

Das Gesamtangebot in der Saison 2013/14 war mit rund 12.300 Veranstaltungen um rund zwei Prozent leicht rückläufig im Vergleich zur Saison 2011/12. Die Zahl der Kammerkonzerte stieg hingegen von 1.212 auf 1.257. Insgesamt ist eine Verschiebung von Sinfoniekonzerten zu mehr Angeboten für Kinder und Jugendliche zu beobachten. Die Meldungen der Konzerthäuser und Orchester über ihre Auslastung waren zuletzt positiv. In Deutschland existiert allerdings keine übergreifende Besucherstatistik. Deshalb werden Besucher vieler Klassik-Open-Airs, von Musikfestivals, Kirchenkonzerten und Klassik-Cross-Over-Konzerten kommerzieller Anbieter bislang nicht erfasst.

Ein besonderer Erfolg war die Aufnahme der Orchester- und Theaterlandschaft in das neue bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes im Dezember 2014. Das Verzeichnis führt die Deutsche UNESCO-Kommission. Für einen Eintrag hatte sich auch die DOV seit dem Jahr 2008 eingesetzt. Mertens: „Im nächsten Schritt geht es um die Aufnahme in die internationale Liste.“