Zur neuen Spielzeit: Die Ärmel hochkrempeln!

Die Konzert- und Spielzeitpause geht zu Ende, erste Orchester, Rundfunkchöre und Bigbands starten in eine neue Saison. Was erwartet uns in den kommenden Monaten? Die öffentlichen Rundfunkanstalten sehen sich einem weiter steigenden Druck in der Debatte um ihre Legitimation und Finanzierung ausgesetzt: Zeitungsverleger und ihre Printmedien, Vertreter des privaten Rundfunks und der Medienpolitik – alle zerren an ARD, ZDF und Deutschlandfunk. Zwar hat das Bundesverfassungsgericht vor wenigen Wochen die Haushaltsabgabe ganz überwiegend für verfassungsgemäß erklärt. Auch scheint der Streit halbwegs geklärt, wie viele presseähnliche Angebote die Rundfunksender machen dürfen. Aber noch immer ist keine schlüssige Antwort gefunden, wie in Zukunft eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Anstalten und damit ihres Bildungs- und Kulturauftrags – einschließlich der Klangkörper – aussehen soll. Das lässt Raum für verwegene Spekulationen und politische Forderungen jeglicher Couleur.

Gute Aktion: der WDR zeigt mit vier Klangkörpern Flagge!

Was kann in dieser Lage getan werden? Der WDR jedenfalls zeigt Flagge. Am 8. September lässt er alle vier Klangkörper gemeinsam in einem Konzert zur neuen Saison auftreten. WDR Sinfonieorchester, Funkhausorchester, Chor und Bigband zeigen die gesamte Bandbreite ihrer musikalischen Möglichkeiten. Damit hoffentlich jeder merkt, warum Rundfunkgebühren hier gut investiert sind und am Ende auch einer gelebten kulturellen Vielfalt dienen. Zu deren Schutz sich Deutschland ja auch völkerrechtlich verpflichtet hat.

Für die Kommunal- und Staatsorchester ergibt sich in der neuen Saison ein gemischtes Bild: neue Chefdirigenten oder Theaterleitungen bringen frischen Wind, von Frankfurt (Oder) bis Ludwigshafen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verbessern sich die grundsätzlichen Rahmenbedingungen der Kulturfinanzierung, wobei für die DOV eine Menge kleinteilige Tarifarbeit und Lobbying bevorstehen.

Jetzt gilt es, aus viele Jahre geltenden Notlagen-Tarifverträgen herauszukommen, und in möglichst großen Schritten wieder Anschluss an die geltenden Flächentarife zu erreichen. In Bayern fordert die DOV, die Finanzierung der nichtstaatlichen Orchester zu verbessern, ebenso in Hamburg für die dortigen Symphoniker. Tarifpolitisch geht es in den kommenden Monaten gegenüber dem Deutschen Bühnenverein um die Debatte der TVK-Vergütungsstruktur.

Also: Die Ärmel hochkrempeln und los geht’s!

Gerald Mertens, Geschäftsführer der DOV

Werbeanzeigen

365 Tage Elbphilharmonie Hamburg: Bilanz eines spektakulären Erfolgs

Hamburg – Die Elbphilharmonie Hamburg liefert ein Jahr nach ihrer Eröffnung eine beeindruckende Erfolgsbilanz ab. Rund 850.000 Gäste besuchten über 600 Konzerte, weit über 4,5 Millionen pilgerten auf die Plaza, nahezu 70.000 Personen nahmen an Konzerthausführungen teil, und die Musikvermittlungs-Angebote der Elbphilharmonie verzeichnen über 60.000 Menschen jeden Alters als Mitwirkende.

Die Elbphilharmonie – ein neues Wahrzeichen

Vor einem Jahr, am 11. Januar 2017, wurde die Elbphilharmonie Hamburg mit einem Festkonzert im Beisein fast der gesamten damaligen Staatsspitze – Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle – feierlich eröffnet. Etwa ein Viertel der geladenen Gäste hatte die Teilnahme bei einer Ticketverlosung gewonnen. Seither hat die vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Elbphilharmonie eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt. Rund 850.000 Menschen haben über 600 stilistisch vielfältige, stets der künstlerischen Exzellenz verpflichtete Konzertveranstaltungen in den Sälen der Elbphilharmonie besucht.

Neben den Konzertreihen des NDR Elbphilharmonie Orchesters, des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und des Ensemble Resonanz gastierten rund 70 Orchester in der Elbphilharmonie, darunter viele der besten Orchester unserer Zeit. Rund 130 Ensembles, Bands und Chöre sorgten für ein breitgefächertes Konzertangebot, das weit über die Klassik hinaus von Jazz über Weltmusik, Rock, Pop bis zu Elektronik und Hip Hop reicht. Mit zahlreichen Festivalformaten und thematischen Schwerpunkten sowie einer Reihe von Uraufführungen fiel die Programmkonzeption durchwegs auf äußerst positive Resonanz.

Insgesamt nahmen mehr als 60.000 Mitwirkende die vielfältigen Musikvermittlungsangebote wahr, die vom Babykonzert über Schulworkshops und Familienkonzerte bis zur regelmäßigen Teilnahme bei einem der 5 Mitmachensembles reichen. Im Rahmen der Elbphilharmonie Instrumentenwelt in den Kaistudios konnten im Kalenderjahr 2017 mehr als 18.000 Kinder und Erwachsene im Rahmen von Workshops erstmals die unterschiedlichsten Musikinstrumente ausprobieren.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: »Die Elbphilharmonie hat die internationale Wahrnehmung Hamburgs verändert und die Kultur hat ein neues Zuhause im Herzen der Stadt bekommen. Abend für Abend ausverkaufte Konzerte und rund 4,5 Millionen Besucher auf der Plaza zeigen die große Faszination, die dieses Haus und die Musik ausüben. Die Elbphilharmonie begeistert die Hamburgerinnen und Hamburger und unsere Gäste. Die bestechende Idee, mit einem Haus für alle einen kulturellen Identifikationspunkt zu schaffen, ist voll und ganz aufgegangen. Hamburg ist stolz auf die Elbphilharmonie und die kulturelle Vielfalt der Stadt, die sich auch in der Elbphilharmonie widerspiegelt. Generalintendant Christoph Lieben-Seutter: »Aus dem unglaublich dichten Programm des Eröffnungsjahres einzelne Höhepunkte hervorzuheben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Neben den unzähligen Konzerterlebnissen ist es nach wie vor eine tägliche Freude zu erleben, wie beeindruckt Besucher wie Künstler von der Elbphilharmonie und ihrer Atmosphäre sind.«

Die Nachfrage nach Konzertkarten ist auch ein Jahr nach der Eröffnung ungebrochen hoch und übertrifft bei einzelnen Konzerten das Platzangebot um mehr als das 20-fache. Bei Vorverkaufsstarts von besonders gefragten Konzerten oder Konzertreihen kommt daher weiterhin ein Vergabeverfahren zur Anwendung, das die Tickets unter allen Bestellern nach dem Zufallsprinzip vergibt. Regelmäßig ausgebucht sind auch die von der Elbphilharmonie angebotenen Konzerthausführungen, in deren Rahmen sich bereits rund 70.000 Menschen einen Eindruck vom Gebäude und seiner Geschichte machen konnten.

Die Plaza, die kostenlos zugängliche Plattform in 37 Metern Höhe mit der fabelhaften Aussicht über Stadt und Hafen, hat mit weit über 4,5 Millionen Besuchern seit ihrer Eröffnung am 4. November 2016 selbst die optimistischsten Prognosen deutlich überschritten. Sie ist Hamburgs Besuchermagnet Nummer eins. Auch das exzellente Abschneiden Hamburgs in Städterankings international führender Medien wie der »New York Times« oder in einflussreichen Reiseführern wie »Lonely Planet« ist auf den gewaltigen Attraktivitätsschub der Stadt durch die Elbphilharmonie zurückzuführen.

Nicht zuletzt übertraf das Medienecho auf die Elbphilharmonie im Eröffnungsjahr alle Erwartungen. Mehr als 50.000 Artikel erschienen weltweit in Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen, Periodika aller Art sowie online. Die Website http://www.elbphilharmonie.de verzeichnete rund 50 Millionen Zugriffe, und die Live-Streams und Konzertmitschnitte auf der Plattform Elbphilharmonie Worldwide sowie in den Social Media-Kanälen der Elbphilharmonie wurden insgesamt rund 3 Millionen mal aufgerufen.

Das Programm für die Konzertsaison 2018/19 wird im Mai veröffentlicht.

Thüringen: Früheres Parteivermögen zielgerichtet für Orchester und Theater einsetzen

Berlin – Die Deutsche Orchestervereinigung fordert, auch im Freistaat Thüringen die Mittel aus der Auflösung des Vermögens früherer DDR-Organisationen vor allem für strukturell unterfinanzierte Orchester und Theater einzusetzen. Hintergrund ist die erfolgte gerichtliche Klärung, wem die Zahlung der letzten Tranche der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderausgaben zusteht. Die Anstalt verwaltete treuhänderisch das Vermögen der DDR-Parteien und -Organisationen. Insgesamt werden 185 Millionen Euro auf die östlichen Bundesländer verteilt.

Jenaer Philharmonie: Musiker verzichten auch hier auf Vergütung

Dem Landesfinanzministerium zufolge ist noch unklar, wann und wieviel Geld Thüringen erhalten wird. Im Haushaltsentwurf, den das Kabinett verabschiedete, seien jedoch entsprechende Vorkehrungen getroffen. Laut Absprache mit dem Bund müssen die Länder mit den zusätzlichen Mitteln Kultur oder Wirtschaft fördern. Mehr Geld brauchen vor allem die Orchester bzw. Musiktheater in Jena, Altenburg-Gera, Gotha-Eisenach, Saalfeld-Rudolstadt und Greiz-Reichenbach. Dort gelten noch immer Haustarife, mit denen die Musikerinnen und Musiker auf Teile ihres Gehalts verzichten.

„Besonders betroffen sind die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach und die Vogtland Philharmonie Greiz Reichenbach“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung. Die Musikerinnen und Musiker erhalten rund 20 bzw. 30 Prozent weniger als der Flächentarifvertrag vorschreibt. „Beide Orchester haben eine große Bedeutung in ihrer Region. Die DOV kämpft für eine gerechte und faire Entlohnung der Musikerinnen und Musiker“, sagt Mertens. „Zusätzliche Mittel aus der Vermögensauflösung früherer DDR-Organisationen können hier zielgerichtet eingesetzt werden.“

 

Deutsche Orchesterkonferenz 2018 in Halle/Saale

Diesen Termin sollte man sich vormerken: am 24. April 2018 findet die nächste Deutsche Orchesterkonferenz in Halle/Saale statt. Die ganztätige Veranstaltung in der Georg-Friedrich-Händel Halle befasst sich mit Musikvermittlung und Qualitätsmanagement im Rundfunk sowie für Orchester, Konzerthäuser.

Sprecher und Diskutanten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden diskutieren mit Kultur- und Medienpolitikern, mit Praktikern und Moderatoren aus der Musikvermittlung, mit Rundfunkverantwortlichen und Konzerthauschefs. Die Veranstaltung richtet sich vorrangig an Orchester- und Chormanager, Mitglieder professioneller Orchester und Chöre, Musikvermitler*innen, Kulturpolitiker*innen, Kulturmanager*innen und sonstige Interessierte.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung erforderlich. Weitere Informationen zum Programm demnächst auf der Webseite der Deutschen Orchestervereinigung unter „Deutsche Orchesterkonferenz“ (www.dov.org).

Appell des Deutschen Musikrates an die Ministerpräsidenten der Länder: Öffentlich-rechtlichen Rundfunk erhalten!

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates vom 21. Oktober 2017 fordert in einer gemeinsamen Resolution von den Ministerpräsidenten der Länder die politische Sicherung der grundgesetzlich gebotenen Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Resolution der Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats

Die ARD müsse unangetastet ihrem Auftrag auf unabhängiges und Vielfalt sicherndes Sendeangebot nachkommen können. Die Rundfunkkommission der Länder wird von den Mitgliedern des Deutschen Musikrates aufgefordert, die Zukunftsfähigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender und ihres Gemeinschaftsprogramms der ARD in einer diesem Auftrag angemessenen Weise zu gewährleisten.

In der Resolution heißt es weiter: „Die im Deutschen Musikrat zusammengeschlossenen Organisationen, die rund 12 Millionen Menschen in Deutschland repräsentieren, appellieren an die Verantwortlichen, die Garantie der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht auszuhöhlen und durch finanzielle Trockenlegung zu konterkarieren. Zwar ist zu begrüßen, dass in den Beratungen in Saarbrücken der notwendige Gestaltungsspielraum der öffentlich-rechtlichen Anstalten im Internet realistisch bewertet und anerkannt wurde. Es gilt aber, die Handlungsfähigkeit der Sender und die Qualität des Programms gegenüber derartigen politischen Invektiven, wie sie in den letzten Tagen im Raume standen, auf Dauer zu schützen!“

Die Resolution kann auch als Signal verstanden werden, den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stärken und nicht weiter zu schwächen. Dies gilt auch für den Erhalt der Rundfunkklangkörper.

Mainz: Konferenz „Orchester & Schule“ am 9./10. Juni 2017

Mit der Fachkonferenz „Orchester & Schule“ am 9. und 10. Juni 2017 in Mainz will die Deutsche Orchester-Stiftung einen Impuls setzen, um die Zusammenarbeit von Orchestern und Schulen nachhaltig zu fördern und alle an diesem Prozess Beteiligten in Austausch zu bringen.

Alle Kooperationspartner von Orchester & Schule – Landesmusikrat Rheinland-Pfalz, netzwerk junge ohren e. V., Bundesverband Musikunterricht Rheinland Pfalz und die Musikhochschule Mainz – wollen:

  • Wege aufzeigen, wie in Schulen nachhaltiges Interesse an Musik für alle Altersstufen geweckt werden kann;
  • Eine Plattform bieten, um Struktur von Schule und Orchester gegenseitig zu verstehen;
  • Best practise aufzeigen, wie erfolgreiche Kooperationen konzipiert werden können.

Die Konferenz richtet sich an Musiklehrer/innen, Musikvermittler/innen, (Orchester)-Musiker/innen und Vertreter/innen von Förderern, Kultusministerien und Kulturverwaltungen.

Weitere Informationen und Anmeldung: http://www.orchesterundschule.de .

Statistisches Bundesamt: Großes Besucherinteresse für Livemusik

Neue bundesweite Musikstatistik als Grundlage für kulturpolitische Debatten

Mit dem Spartenbericht Musik hat das Statistische Bundesamt Wiesbaden am 14. Februar 2017 aktuelle Zahlen zum professionellen Musikbereich und zur Laienszene in Deutschland veröffentlicht.

Große Nachfrage nach Livemusik

Große Nachfrage nach Livemusik (hier: Pierre-Boulez-Saal Berlin)

„Damit liegt fast zehn Jahre nach dem Abschluss der Kultur-Enquetekommission des Bundestags zum ersten Mal eine umfassende bundesweite Statistik für den Musikbereich vor“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung. „Das ist ein wichtiger Schritt, um die Diskussionen und Argumentationen in vielen Bereichen der Kulturpolitik zu versachlichen.“

Der Bericht verzeichnet mehr als 5,2 Millionen Besuche von Konzerten öffentlich finanzierter Orchester in der Spielzeit 2013/2014. Hinzu kommen 32 Millionen Besuche bei über 500 Musikfestivals. „Das zeigt, wie hoch die Anziehungskraft von moderner und klassischer Orchestermusik beim Publikum ist“, sagt Mertens. „Umso unverständlicher, dass vielen Lokalpolitikern noch immer nicht bewusst ist, wie beliebt und wichtig diese Konzerte sind. Hier ist ein Umdenken dringend nötig.“

Der vollständige DESTATIS-Bericht ist hier einsehbar.