Klassik ist auf Erfolgskurs

Berlin – Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) konstatiert ein größeres Besucherpotenzial und eine steigende Nachfrage nach klassischer Musik. „Allein zum Open-Air-Konzert der Berliner Philharmoniker am Brandenburger Tor unter dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko werden am 24. August über 30.000 Menschen erwartet“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der DOV.

Sehr beliebt: „Oper für Alle“ in Berlin

„Klassik ist insgesamt auf Erfolgskurs“, meint Mertens, „denn 45.000 Besucher bei Oper für alle mit Deutscher Staatsoper und Staatskapelle Berlin auf dem Bebelplatz im Juni 2019, 75.000 Besucher im Nürnberger Luitpoldhain bei den Nürnberger Philharmonikern, weitere 50.000 bei den Nürnberger Symphonikern im Sommer 2019, fast 70.000 Menschen bei Klassik airleben mit dem Gewandhausorchester Leipzig oder 20.000 erwartete Besucher beim hr-Sinfonieorchester Open Air in Frankfurt/Main am 22. August, kann man schwerlich anders bewerten.“

Besucherpotenzial größer als statistisch bislang belegt

Diese mehreren hunderttausend Musikliebhaber tauchen jedoch bislang in keiner offiziellen Besucherstatistik auf, denn der Eintritt zu vielen großen Klassik-Open-Air-Veranstaltungen ist frei. „Auch die Besucher kleinerer professioneller Klassikfestivals oder Open-Air-Konzerte, der Konzerte von Musikhochschulen, vieler Kammermusikveranstaltungen, der Konzerte in Kirchen oder in Universitäten werden statistisch grundsätzlich nicht erfasst“, beklagt Mertens. „Die verfügbaren Open-Air-Besucherzahlen dieses Sommers belegen aber auf jeden Fall ein großes Besucherpotenzial für Klassik – auch jenseits der Sommersaison“.

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Neue Mindesthonorare für Orchesteraushilfen in NRW

Am 23. Mai 2019 hatten sich die Verhandlungsdelegationen der Deutschen Orchestervereinigung und des Landesverbands Mitte des Deutschen Bühnenvereins auf Eckpunkte einer möglichen Neuregelung der Mindesthonorare für Aushilfen bei den kommunalen Orchestern in NRW verständigt. Diese Neuregelung sah sowohl eine moderate Erhöhung der Honorare als auch eine Staffelung im Hinblick auf die Eingruppierung der Orchester vor.

Leider wurde dieses Ergebnis von den Orchestermanagern in NRW mehrheitlich nicht akzeptiert. Der geplante abschließende Gesprächstermin am 25. Juni 2019 in Köln wurde daraufhin abgesagt. Die DOV bedauert diese Entwicklung sehr.

Die Mindesthonorare für Orchesteraushilfen im Bereich des Landesverbands Mitte sind seit 2004 nicht mehr angehoben worden; demgegenüber sind die Tariflöhne seit 2004 um über 35% gestiegen. Eine angemessene Anpassung ist daher überfällig und wird von der DOV unverändert gefordert.

Daher der klare Aufruf:

Ab sofort empfiehlt die DOV allen Orchesteraushilfen in NRW, mindestens die Sätze zu verlangen, die auch mehreren Arbeitgebervertretern in den bisherigen Gesprächen zur Thematik in Köln als möglicher Kompromiss akzeptabel erschienen:

Orchester ab Kategorie A und aufwärts: Probensatz 135 €, Aufführungssatz 200 €

Orchester mit Eingruppierung unterhalb A: Probensatz 130 €, Aufführungssatz 190 €

Bitte informieren Sie alle Kolleginnen und Kollegen, Ihre regelmäßigen und gelegentlichen Aushilfen sowie Ihr Orchestermanagement von diesen Regelungen und fordern Sie zu deren Umsetzung auf.

Arbeitgeber, die nicht bereit sind, diese neuen Mindesthonorarregelungen umzusetzen, dürften bald häufiger Schwierigkeiten haben, überhaupt noch geeignete Aushilfen zu finden.

Diversität – auch für Orchester und Theater ein Thema

Diversität, Gleichheit und Inklusion sind Themen, die auch in Orchestern und Theatern eine immer größere Rolle spielen. Im Personal ebenso wie im Publikum.

JP_Volkshaus

Musiker aus wie vielen Nationen spielen vereint in einem Orchester? 

Irene Knava hat sich intensiv mit diesem Thema befasst und ein Buch sowie diesen aktuellen Beitrag verfasst: https://www.audiencing.net/das-ja-zu-diversitaet-ist-eine-politische-haltung/

Ein guter Aufriss der anstehenden Themen.

Orchester als analoge Gegenwelten?

Orchester verändern sich laufend: neue Musiker, neue Dirigentinnen, mehr Musikvermittlung, ungewöhnliche Programme, neue Konztertformate. Wie sieht in einer zunehmend gloablisierten und digitalisierten Gesellschaft die Zukunft aus?

Jennifer Dautermann, Direktor von Classical:NEXT, hat sich hierzu mit Anselm Rose, Intendant der roc Berlin, unterhalten: https://www.youtube.com/watch?v=gqW3HyIsrdc

15. September 2018 in Köln: Theater und Orchester im Nationalsozialismus – Zwischen Aufarbeitung und Verdrängung?

Die Deutsche Orchestervereinigung und die Hochschule für Musik und Tanz Köln – Institut für Historische Musikwissenschaft – veranstalten gemeinsam am 15. September 2018 von 14:00 bis 18:00 in Köln ein Fachsymposium mit dem Thema: Theater und Orchester im Nationalsozialismus – Zwischen Aufarbeitung und Verdrängung?

Prominente Referenten aus Deutschland und Großbritannien befassen sich mit einem unverändert interessanten Thema, welches teilweise erst in den letzten Jahren von Orchestern, Opernhäusern und Theatern aufgearbeitet worden ist.

Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter: Anmeldung@dov.org  

In der Diskussion: Theater und Orchester im Nationalsozialismus

 

Ablaufplan:

14:00  Begrüßung und Einführung

Prof. Dr. Arnold Jacobshagen, Professor für Historische Musikwissenschaft (Hochschule für Musik und Tanz Köln), Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV)

14:10   Das „hohe Kulturgut deutscher Musik“ und das „Entartete“. Über die Problematik des „Kulturorchester“-Begriffs

Dr. Lutz Felbick, Musikwissenschaftler (Aachen)

14:45   Theater und Orchester im Umgang mit ihrer Vergangenheit im Nationalsozialismus

Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenverein a.D., Rechtsanwalt, Initiator von stadtpunkt kultur (Bonn)

15:20   Neuer Blick zurück. Die Strukturen der Theater im Dritten Reich

Prof. Dr. Peter W. Marx, Professor für Medien-und Theaterwissenschaft, Direktor der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln-Wahn (Universität zu Köln)

16:00   Kaffeepause

16:20   Deutsche Orchester zwischen Demokratie und Diktatur (1930-1950) – Einige Thesen

Prof. Dr. Neil Gregor, Professor of Modern European History (University of Southampton)

17:00   Podiumsdiskussion der vier Referenten, moderiert von Prof. Dr. Arnold Jacobshagen und Gerald Mertens

18:00   Ende der Veranstaltung/Ausklang

 

Hochschule für Musik und Tanz, Köln

Samstag, 15. September 2018, 14:00 bis 18:00 Uhr,

Kammermusiksaal der Hochschule

Unter Krahnenbäumen 87, 50668 Köln

Bilanz 2017/18: Berliner Staatsoper Unter den Linden mit Auslastung von 94%

Insgesamt hat die Staatsoper Unter den Linden in der Spielzeit 2017/18 zu rund 272 Veranstaltungen eingeladen, darunter zu 14 Musiktheater-Premieren im großen Haus und in der Neuen Werkstatt, zu 13 Opernwerken aus dem Repertoire und 87 Konzerten. Insgesamt wurde eine Auslastung von 94% erreicht.

Staatsoper für alle!

Über 196.000 Besucher kamen zu den Veranstaltungen der Staatsoper und Staatskapelle in Berlin sowie zusätzlich über 15.000 Besucher (exklusive Buenos Aires) zu den Gastspielkonzerten von Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin in Dresden, Paris, Wien und Salzburg. Gleich zwei Mal gab es in dieser Spielzeit STAATSOPER FÜR ALLE – bei freiem Eintritt dank BMW Berlin: Zum Auftakt des PRÄLUDIUMS zur Wiedereröffnung der Staatsoper fand am 30. September 2017 ein Live-Konzert der Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim mit über 45.000 Besucherinnen und Besuchern auf dem Bebelplatz statt und auch die weiteren Opernvorstellungen und Konzerte rund um die Wiedereröffnung wurden live übertragen. Über 60.000 Besucher erlebten außerdem im Juni 2018 das 12. STAATSOPER FÜR ALLE-Wochenende mit dem Sinfoniekonzert der Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim und der Opern-Live-Übertragung von Verdis MACBETH.

Großen Zuspruch bei Publikum und Presse fanden in der Spielzeit 2017/18 die Premieren von Richard Wagners TRISTAN UND ISOLDE (Regie: Dmitri Tcherniakov) mit Andreas Schager und Anja Kampe in den Titelpartien als Fortsetzung der langen Wagner-Tradition von Staatsoper und Staatskapelle, von Giuseppe Verdis FALSTAFF (Regie: Mario Martone) im Rahmen der diesjährigen FESTTAGE mit Michael Volle und von Verdis MACBETH (Regie: Harry Kupfer) mit Plácido Domingo und Anna Netrebko – alle drei Werke wurden von Daniel Barenboim dirigiert.

Neben acht Abonnementkonzerten der Staatskapelle Berlin – u. a. mit Solisten wie Maurizio Pollini, Renaud Capuçon, Lisa Batiashvili, Nadine Sierra, Anna Prohaska, Marianne Crebassa und Michael Volle sowie mit Gastdirigenten wie François-Xavier Roth, Christoph von Dohnányi und Sir Antonio Pappano – eröffneten Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin in dieser Spielzeit erneut das Musikfest Berlin, diesmal mit Anton Bruckners 8. Sinfonie. Am 7. Oktober 2017 spielte die Staatskapelle Berlin unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim als Dank an alle Berlinerinnen und Berliner das erste KONZERT FÜR BERLIN bei freiem Eintritt im Opernhaus.

Den Schwerpunkt des Konzertprogramms der Staatskapelle bildeten in dieser Saison Werke von Claude Debussy, dessen Todestag sich im März 2018 zum 100. Mal jährte. Seine Kompositionen waren bei vier Abonnementkonzerten, bei zwei FESTTAGE-Konzerten, beim Gastspiel der Staatskapelle im Wiener Musikverein, beim STAATSOPER FÜR ALLE-Konzert sowie beim KONZERT FÜR BERLIN zu erleben. Bei den FESTTAGE-Konzerten waren die Wiener Philharmoniker zu Gast, ebenso wie Martha Argerich, Anna Prohaska, Marianne Crebassa, Anna Lapkovskaja und Maria Furtwängler, die Debussys selten aufgeführtes Werk »Le Martyre de Saint-Sébastien« konzertant darboten. Anlässlich seines 75. Geburtstags gab Daniel Barenboim im November 2017 gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Zubin Mehta ein Benefizkonzert.

Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 sind BMW und UBS Hauptpartner der Staatsoper Unter den Linden.

STAATSOPER FÜR ALLE 2018 begeistert über 62.000 Menschen in Berlin

#TrendwendeKlassik auch in Berlin: Klassische Musik ist gefragt. Insgesamt 62.000 Musikbegeisterte kamen an diesem Wochenende zur 12. Ausgabe von STAATSOPER FÜR ALLE auf den Bebelplatz (16. Juni knapp 40.000 und am 17. Juni 22.000 Besucherinnen und Besucher). Erstmals seit 2012 fand die Veranstaltung wieder im »klassischen« Format statt – mit einem Open-Air-Konzert bei strahlendem Sonnenschein am Samstagmittag und einer Opern-Live-Übertragung am Sonntagabend. Dank BMW Berlin war auch in diesem Jahr der Eintritt für alle Besucher frei.

Staatsoper für alle! (Archiv)

Bei dem Konzert am 16. Juni spielte die Staatskapelle Berlin unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim unter freiem Himmel Gioachino Rossinis Ouvertüre zu IL BARBIERE DI SIVIGLIA, Claude Debussys IBÉRIA aus IMAGES POUR ORCHESTRE sowie Igor Strawinskys LE SACRE DU PRINTEMPS. Zuvor wurden die Zuhörer auf dem komplett gefüllten Bebelplatz vom Schirmherrn des Formats, Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller zusammen mit Hans-Reiner Schröder, Direktor BMW Berlin, Intendant Matthias Schulz und Moderatorin Lisa Ruhfus begrüßt. Als Zugabe erklang die POLONAISE aus Peter I. Tschaikowskys EUGEN ONEGIN. Außerdem konnte das Konzert weltweit per Livestream miterlebt werden.

Am 17. Juni wurde die ausverkaufte Premiere von Verdis MACBETH mit Plácido Domingo in der Titelrolle und Anna Netrebko (Lady Macbeth) in der Inszenierung von Harry Kupfer live auf den Bebelplatz übertragen. Die musikalische Leitung der Staatskapelle Berlin übernahm Daniel Barenboim. Zum weiteren Ensemble gehörten Fabio Sartori (Macduff), Kwangchul Youn (Banquo), Florian Hoffmann (Malcolm), Evelin Novak (Kammerfrau), Jan Martiník (Mörder, Erscheinung), Dominic Barberi (Diener, Herold, Arzt) sowie Solisten des Kinderchors der Staatsoper. Nach dem Schlussapplaus in der Staatsoper verbeugten sich die Solisten, Daniel Barenboim und das Regieteam auch auf der Bühne auf dem Bebelplatz und wurden mit Standing Ovations von den vielen Tausend Opernfans begeistert gefeiert.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden: »Wir freuen uns sehr, dass auch in diesem Jahr wieder so viele Menschen zu STAATSOPER FÜR ALLE auf dem Bebelplatz zusammengekommen sind, um gemeinsam das Konzert und die Live-Übertragung von Macbeth zu erleben. Es war ein ganz besonderer Höhepunkt unserer Eröffnungssaison zurück in der Staatsoper Unter den Linden! Ich hoffe, dass wir uns alle in einem Jahr wiedersehen, wenn am 15. und 16. Juni 2019 das nächste STAATSOPER FÜR ALLE stattfindet.«

»Für die Staatskapelle Berlin und für mich ist STAATSOPER FÜR ALLE ein ganz wunderbarer Bestandteil der Spielzeit. Ich bin sehr froh, dass es in diesem Jahr erstmals wieder im ursprünglichen Format stattfinden konnte und dass wir so viele Menschen an dem Konzert- und dem Opernerlebnis teilhaben lassen konnten.«, so Daniel Barenboim.

STAATSOPER FÜR ALLE findet im kommenden Jahr am 15. und 16. Juni 2019 statt, mit der Live-Übertragung von Wagners »Tristan und Isolde« in der Regie von Dmitri Tcherniakov, dirigiert von Daniel Barenboim und mit u.a. Anja Kampe, Andreas Schager und René Pape sowie mit einem Open-Air-Konzert der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim.