ARTE: Zu wenig Geld für deutsche Orchester

Jedes zweite Profiorchester hat seinen Sitz in Deutschland. 18,2 Millionen Besucher zählen die Konzertsäle. Das sind mehr als die erste Fußballbundesliga vorweisen kann. Die deutsche Orchesterlandschaft hat wegen ihrer Vielfalt und Größe gute Chancen, 2019 von der UNESCO zum Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Dennoch schlägt die Deutsche Orchestervereinigung Alarm: Rund ein Drittel der deutschen Orchester zahlen Vergütungen unterhalb des Flächenvertrages.
Kulturstaatsministerin Grütters meint dazu im ARTE-Interview: Länder und Kommunen sollten ihre Orchester gut behandeln. Dazu gehöre auch, „anständige Löhne und Tarife zu zahlen.“ 100 Prozent Zustimmung!

https://www.arte.tv/de/videos/082117-000-A/zu-wenig-geld-fuer-deutsche-orchester/

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Nominierung der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft für die internationale UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes in Paris eingereicht

Auf dem Weg zur internationalen Anerkennung der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit ist ein weiterer Meilenstein erreicht: Das Auswärtige Amt hat den Antrag offiziell der UNESCO übergeben.

Die Dresdener Philharmonie – eines von 129 Berufsorchestern in Deutschland

Die Szene der Theater und Orchester in Deutschland zeichnet sich durch eine besonders hohe Dichte und Vielfalt im Hinblick auf Genres, Ästhetiken, Ausdrucksmittel, Sprache und Aufführungsanlässe aus. Über die Aufnahme dieser Kulturform in die internationale UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes entscheidet ein Zwischenstaatlicher Ausschuss Ende 2019.

Staatsministerin Michelle Müntefering betont aus diesem Anlass: „Der deutsche Vorschlag der Theater- und Orchesterlandschaft für die UNESCO-Liste steht beispielhaft für modernes Immaterielles Kulturerbe. Die Nominierung zeigt, dass Theater und Orchester wichtige Räume der freien Meinungsäußerung, der öffentlichen Debatte und kritischen Reflexion sind. Sie macht auch deutlich, welch hohe Bedeutung die zahlreichen internationalen Kooperationen und Koproduktionen von Theatern und Orchestern haben: Sie fördern interkulturelle Begegnungen und Kommunikation auch jenseits des politischen Diskurses und damit das Verständnis füreinander. Genau diesen Dialog und diese gesellschaftlich wichtigen Freiräume wollen wir mit Hilfe internationaler Kulturpolitik weiter ausbauen und stärken.“

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins Ulrich Khuon unterstreicht: „Theater und Orchester schaffen kulturelle Räume für Erzählungen, Reflexionen und Gespräche innerhalb ihrer lokalen Gemeinschaften und tragen damit wesentlich zu Lebensqualität und Identität bei. Diese wichtigen sozio-kulturellen Räume müssen wir erhalten und weiterentwickeln. Deutschland hat die reichste Theaterlandschaft der Welt. Etwa die Hälfte aller Opernhäuser auf der ganzen Welt ist in Deutschland situiert. Und was Schauspielhäuser angeht, gibt es eine ähnliche Dichte.“

Der Generalsekretär des Deutschen Musikrats und Präsident des Deutschen Kulturrats Prof. Christian Höppner unterstreicht: „Die Dichte der Theater- und Orchesterlandschaft und die kulturelle Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen führt im Amateur- wie auch im Profibereich zu täglich gelebter Transkulturalität. In Zeiten auseinanderdriftender Gesellschaften und der zunehmenden Abschottung in digitalen Echokammern hat dies einen unschätzbaren Wert für das Zusammenleben in Vielfalt.“

Die Theater- und Orchesterlandschaft in Deutschland wird durch die rund 140 Staats- und Stadttheater sowie Landesbühnen mit Orchestern und 130 Opern-, Symphonie-, Rundfunk- oder Kammerorchestern sowie Kammerphilharmonien geprägt. Dazu kommen rund 220 private Theater, 100 Theater- und Symphonieorchester ohne feste Spielstätten, 2.200 freie Spielstätten, Gruppen und Ensembles und rund 2.500 Amateurtheaterbühnen, die zur Lebendigkeit der Szene einen bedeuten Beitrag leisten.

Historisch resultieren Dichte und Vielfalt der Theater- und Orchesterlandschaft aus der großen Zahl kleiner Staaten und Herzogtümer im 18. und 19. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Diese gründeten Theater und Orchester als repräsentativen Ausdruck ihrer Hingabe zu Kunst und Kultur. Später baute ein selbstbewusstes Bürgertum diese Vielfalt und Dichte weiter aus. Prägend ist bis heute das Repertoire- und Programmsystem mit einem dauerhaft engagierten Ensemble, mit dem Inszenierungen und Musikstücke über Monate oder Jahre hinweg verfügbar sind. Hinzu kommt eine sehr lebendige freie Szene sowie die vielfältigen Amateurtheater und -orchester.

2014 wurde die „Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft“ auf Initiative des Deutschen Bühnenvereins und des Deutschen Musikrats in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Ein Eintrag ist die Vorbedingung für eine UNESCO-Nominierung.

Hintergrund

 Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. 177 Staaten sind dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zum Immateriellen Kulturerbe zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die Listen des Immateriellen Kulturerbes. Bisher sind 366 Formen des Immateriellen Kulturerbes auf der internationalen Repräsentativen Liste eingetragen, 47 Elemente auf der Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes und 17 Gute Praxisbeispiele zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes.

Kriterien für die Anerkennung sind unter anderem eine nachweisbare Lebendigkeit und eine identitätsstiftende Komponente für die Trägergemeinschaft der Kulturform, die Entwicklung von Erhaltungsmaßnahmen, eine weitreichende Beteiligung der Trägergemeinschaft und die Eintragung in ein nationales Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Mit der Einschreibung verpflichten sich die Vertragsstaaten, das Immaterielle Kulturerbe auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu fördern.

Weitere Informationen:

UNESCO-Nominierungsfilm Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft

http://www.unesco.de/index.php?id=7571&rid=t_5767&mid=1444&aC=ea39dee7&jumpurl=-2

Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission zum Immateriellen Kulturerbe

http://www.unesco.de/index.php?id=7571&rid=t_5767&mid=1444&aC=ea39dee7&jumpurl=-3

 

Immaterielles Kulturerbe: Bassposaunist des Staatsorchester Kassel ist „Kulturtalent“ im Monat März

Tausende Kulturtalente in ganz Deutschland erhalten kulturelle Traditionen und gestalten das Immaterielle Kulturerbe. Die Deutsche UNESCO-Kommission stellt ausgewählte Kulturtalente vor, im Monat März: den 36-jährigen Bassposaunisten Christoph Schrietter vom Orchester des Staatstheaters Kassel. Gemeinsam mit tausenden weiteren Musikern trägt er zur Entwicklung der weltweit einmaligen Vielfalt der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft bei.

Kulturtalent Christoph Schrietter vom Staatsorchester Kassel

Im Interview beschreibt er die Bedeutung von Theatern und Orchestern für unsere Gesellschaft, macht deutlich, wie wichtig frühkindliche kulturelle Bildung ist, und erklärt, was einen guten Orchestersaal ausmacht. 2014 wurde die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft auf Initiative des Deutschen Bühnenvereins und des Deutschen Musikrats in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Für 2018 wird nun eine Nominierung bei der UNESCO auf internationaler Ebene vorbereitet.

Christoph Schrietter: „Deutschland verfügt über eine einzigartige Vielfalt und Dichte der Theater- und Orchesterlandschaft mit ebenso vielfältigen Akteuren. In Kassel wie auch in unzähligen anderen Städten sind Theater und Orchester fest mit der Stadt und der Bevölkerung verbunden, sind lokal und regional identitätsstiftend. Wenn man dieses Phänomen deutschlandweit betrachtet, dann stellt man fest, dass viele Städte, wie sie heute sind, ohne Theater und Orchester nicht vorstellbar wären. Wir sind ein Spiegel des Zeitgeistes und steigern die Lebensqualität der Menschen!“

Deutschland verfügt über die weltweit höchste Theater- und Orchesterdichte. Die Theater- und Orchesterlandschaft wird durch die rund 140 öffentlich getragenen Theater, also durch Stadttheater, Staatstheater und Landesbühnen, rund 220 Privattheater, etwa 130 Opern-, Sinfonie- und Kammerorchester und circa 70 Festspiele, etwa 150 Theater- und Spielstätten ohne festes Ensemble und um die 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus, geprägt. Darüber hinaus gibt es eine hohe Anzahl freier Gruppen sowie Amateurtheater. Auch Institutionen der Aus- und Weiterbildung, von Musikschulen und Jugendkunstschulen bis hin zu den Musikhochschulen und Schauspielschulen, gehören dazu.

Die Vielfalt der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft entwickelte sich aus der kleinstaatlichen Verfasstheit Deutschlands im 17. und 18. Jahrhundert. Zu den in den Fürstentümern und Königreichen entstandenen Theatern und Orchestern kamen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fremdsprachige Schauspielgruppen hinzu, die den Marktplatz und den Hof gleichermaßen bespielten. Das steigende Selbstbewusstsein des Bürgertums äußerte sich im 18. Jahrhundert zunächst im Gedanken des Nationaltheaters. Während des 19. Jahrhunderts etablierten sich dann die von den Bürgern getragenen Stadttheater und Konzertgesellschaften. Das Regietheater entstand Ende des 19. Jahrhunderts und entwickelte das Theater zur Kunstform. – Das Staatsorchester Kassel wurde 1502 gegründet und ist damit das älteste Berufsorchester in Deutschland.

Hintergrundinformationen zum Immateriellen Kulturerbe

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Formen Immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie sind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu gestaltet.

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Einzelne Elemente aus den nationalen Verzeichnissen der Vertragsstaaten können für eine von drei UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen werden. 429 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt werden derzeit auf diesen Listen geführt, darunter die Genossenschaftsidee und -praxis aus Deutschland, die Rumba aus Kuba, die traditionelle chinesische Medizin und die italienische Geigenbaukunst. Bis heute sind 172 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

Orchester, Theater und Festivals gut aufgestellt für das neue Jahr

Die Mehrzahl der Orchester, Theater und Musikfestival hat in Deutschland gegenwärtig einen „guten Lauf“. Es gibt zwar immer einige Einrichtungen, die vor Ort mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie z.B. das Volkstheater Rostock mit einem eher inkompetenten Oberbürgermeister oder das Theater Trier mit den Folgen einer von der Stadt vergeigten Intendantenfindung. Aber das sind Einzelfälle.

Neu eröffnet im Dezember 2016: Pierre Boulez Saal in Berlin

Neu eröffnet im Dezember 2016: Pierre Boulez Saal in Berlin

Neue Spielstätten

Schaut man sich zum Jahreswechsel in der deutschen Musiklandschaft um, überwiegt ganz deutlich das Positive. Da wären die zahlreichen Neueröffnungen und Wiedereröffnungen von Spielstätten zu nennen: Die Bochumer Symphoniker verfügen seit Ende Oktober 2016 mit dem Musikforum Ruhr endlich über eine eigene Spielstätte in der Stadtmitte mit knapp 1000 Plätzen. Zum Eröffnungswochenende kamen rund 40.000 Besucher. Am 8. Dezember wurde in Berlin-Mitte hinter der Staatsoper der neue Pierre Boulez Saal durch die Barenboim-Said Foundation eröffnet (Foto). Der Saal fasst rund 700 Besucher und ist ideal für Kammermusik und kleine Sinfonik. In Dresden haben im ehemaligen Kraftwerk Mitte die Staatsoperette Dresden und das Theater der jungen Generation eine neue Spielstätte eröffnet. Im Januar folgt endlich die lang ersehnte und immer wieder verschobene Eröffnung der Elbphilharmonie im Hamburger Hafen. Am 28. April 2017 wird ebenfalls in Dresden der völlig neu eingebaute Konzertsaal im Kulturpalast am Altmarkt durch die Dresdener Philharmonie in Betrieb genommen; am 3. Oktober 2017 soll die Deutsche Staatsoper in Berlin wieder eröffnen. Neubauten in Nürnberg und München sind in Planung, Renovierungen in Karlsruhe, Augsburg, Coburg, Lübeck oder in München (Gärtnerplatztheater) auf dem Weg. Und schließlich hat dann auch noch der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages über 10 Mio. Euro für die Renovierung der Laeiszhalle in Hamburg bewilligt.

Zusätzliche Bundesmittel

Überhaupt waren die Haushälter des Bundes im Herbst 2016 den Orchestern besonders gewogen: Im neuen Programm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ sollen zunächst sechs mittlere Konzertorchester in einem Modellversuch für fünf Jahre mit zusätzlichem Bundesgeld (900.000 Euro pro Orchester im Jahr) ihre Produktivität und die Qualität ihrer Arbeit messbar steigern. Mit dabei sind zunächst die Hamburger Symphoniker, die Jenaer Philharmonie, die Stuttgarter Philharmoniker, die Münchner Symphoniker, die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz und die Bochumer Symphoniker. Zahlreiche Details der Umsetzung des Programms müssen noch geklärt werden, aber die Geste des Bundes für eine nachhaltige Orchesterfinanzierung ist schon beeindruckend und Maßstab setzend.

Stabiler bzw. steigender Publikumszuspruch

Schaut man sich die Spielzeitbilanzen vieler Bühnen und Klassik-Musikfestivals oder den Zuspruch zu Klassik Open-Air-Konzerten des Sommers 2016 an, so überwiegen auch dort die Positivmeldungen mit hohen Auslastungszahlen von über 80 Prozent oder sogar deutlich mehr. Von einer Krise der Klassik also keine Spur. Und an den wenigen Standorten, an denen die Publikumsauslastung nicht überzeugt, sind die Probleme vom Management oder von den politisch Verantwortlichen (oder von beiden) hausgemacht; womit wir wieder in Rostock oder Trier wären.

Immaterielles UNESCO Kulturerbe

Der kulturpolitische Höhepunkt im zu Ende gehenden Jahr 2016 schließlich und Katalysator für die kommenden drei Jahre ist der gemeinsame Beschluss von Bund und Ländern, die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft nicht nur auf der nationalen Liste des immateriellen Kulturerbes zu belassen (seit Dezember 2014), sondern sie auch in die internationale Kulturerbeliste aufnehmen zu lassen. Dies wird die kulturpolitische Agenda bis zur endgültigen Aufnahmeentscheidung durch die UNESCO Ende 2019 mit bestimmen.

Gerald Mertens

Die deutsche Theater-und Orchesterlandschaft wird für die internationale UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes nominiert

Das ist die Kulturmeldung des Jahres 2016! Deutschland nominiert seine Theater- und Orchesterlandschaft für die internationale UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes. Das haben die Kultusministerkonferenz unter der Leitung der Bremer Bildungssenatorin Dr. Claudia Bogedan und die Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters jetzt bestätigt. Damit folgen sie der Empfehlung der Experten der Deutschen UNESCO-Kommission. Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft zeichnet sich durch eine weltweit einmalige Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen aus, die im Schauspiel, Figurentheater, in Oper, Operette, Musical, Tanz, Konzert sowie in performativen Veranstaltungen verwirklicht wird. Jährlich besuchen hierzulande rund 35 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer mehr als 120.000 Theateraufführungen und 9.000 Konzerte. Deutschland reicht das Nominierungsdossier im Frühjahr 2018 bei der UNESCO ein. Über die Aufnahme entscheidet der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe im Winter 2019.

Reichhaltige Theater- und Orchesterlandschaft

Reichhaltige Theater- und Orchesterlandschaft

Bereits 2009 hatte die nationale Delegiertenversammlung der Deutsche Orchestervereinigung (DOV) in Erfurt eine entsprechende Resolution zur Aufnahme der deutschen Orchester-und Theaterlandschaft beschlossen. Im Dezember 2014 erfolgte durch gemeinsamen Antrag des Deutschen Bühnenvereins und des Deutschen Musikrats, inhaltlich begleitet von der DOV, die Aufnahme auf die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes. Nun soll also der internationale Eintrag folgen. Schon die Nominierung ist eine große Anerkennung. Es ist sehr zu hoffen, dass sie erfolgreich sein wird.

Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters betont: „Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft begründet – wie die vielfältige deutsche Kulturlandschaft überhaupt – Deutschlands Ruf als Kulturnation. Nirgendwo sonst sind Schauspiel, Oper, Musical, Tanz oder Konzert in solcher Vielfalt und an so vielen Orten im ganzen Land zu erleben. Durch die Weitergabe und Neugestaltung von Dramaturgien, künstlerischen Praktiken und Ästhetiken verbinden sie Tradition und Innovation, die dieses Immaterielle Kulturerbe besonders auszeichnen. Die Theater- und Orchesterlandschaft bietet kulturelle Räume der Orientierung und Selbstvergewisserung, die wir heute mehr denn je brauchen. Denn Kultur schafft nicht nur Identität, sie ist auch unser stärkster Integrationsmotor.“

Dr. Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, unterstreicht: „Deutschland verfügt über eine einzigartige Vielfalt in der Theater- und Orchesterlandschaft, die wir in den öffentlich getragenen Stadt- und Staatstheatern, den Landesbühnen, einer großen Zahl von Privattheatern und freien Gruppen, Musik- und Theater-Festivals sowie Theater- und Sinfonieorchester täglich aufs Neue erleben dürfen. Durch die Dichte und Bandbreite der Theater und Orchester in Deutschland sind sowohl die Weitergabe des Könnens und Wissen dieses Immateriellen Kulturerbes als auch die Möglichkeiten der Weiterentwicklung von besonderer Bedeutung.“

Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, erklärt: „Jedes Theater- und Konzertereignis ist ein Raum des Erlebens und Erkennens der Welt aus neuen Perspektiven. Theaterensembles und Orchester sind wichtige Akteure in der gesellschaftspolitischen Gegenwartsdebatte. Sie gestalten so unser Gemeinwesen und unsere Zukunft mit. Unsere Theater sind lebendige Kulturakteure in ihrer Region. Die Kulturform trägt damit auch wesentlich zur lokalen und regionalen Identitätsbildung bei.“

Deutschland verfügt über die weltweit höchste Theaterdichte. Und auch die Orchesterdichte zählt zu den höchsten auf der ganzen Welt. Die Theater- und Orchesterlandschaft in Deutschland wird durch die rund 140 öffentlich getragenen Theater geprägt, also durch Stadttheater, Staatstheater und Landesbühnen. Hinzu kommen rund 220 Privattheater, etwa 130 Opern-, Sinfonie- und Kammerorchester und circa 70 Festspiele, etwa 150 Theater- und Spielstätten ohne festes Ensemble und um die 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus. Darüber hinaus gibt es eine hohe Anzahl freier Gruppen.

Die Vielfalt der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft entwickelte sich aus der kleinstaatlichen Verfasstheit Deutschlands im 17. und 18. Jahrhundert. Zu den in den Fürstentümern und Königreichen entstandenen Theatern und Orchestern kamen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fremdsprachige Schauspielgruppen hinzu, die den Marktplatz und den Hof gleichermaßen bespielten. Das sich verfestigende Selbstbewusstsein des Bürgertums äußerte sich im 18. Jahrhundert zunächst im Gedanken des Nationaltheaters. Während des 19. Jahrhunderts etablierten sich dann die von den Bürgern getragenen Stadttheater und Konzertgesellschaften. Das Regietheater entstand Ende des 19. Jahrhunderts und entwickelte das Theater zur Kunstform.

2014 wurde die „Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft“ auf Initiative des Deutschen Bühnenvereins und des Deutschen Musikrats in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Ein Eintrag ist die Vorbedingung für eine UNESCO-Nominierung.

 

Hintergrund:

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Bis heute sind 171 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zum Immateriellen Kulturerbe zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die Listen des Immateriellen Kulturerbes. Bisher sind 366 Formen des Immateriellen Kulturerbes auf der internationalen Repräsentativen Liste eingetragen, 47 Elemente auf der Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes und 17 Gute Praxisbeispiele zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes. Kriterien für die Anerkennung sind unter anderem eine nachweisbare Lebendigkeit und eine identitätsstiftende Komponente für die Trägergemeinschaft der Kulturform, die Entwicklung von Erhaltungsmaßnahmen, eine weitreichende Beteiligung der Trägergemeinschaft und die Eintragung in ein nationales Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Mit der Einschreibung verpflichten sich die Vertragsstaaten, das Immaterielle Kulturerbe auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu fördern.

Weitere Informationen:

Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission zum Immateriellen Kulturerbe

http://unesco.de/index.php?id=7571&rid=t_5767&mid=1126&aC=ea39dee7&jumpurl=-1

Bamberg: 427.000 Euro durch Benefizkonzert mit Lang Lang und Bamberger Symphonikern

Ein gutes und prominentes Beispiel, wie Orchester Gutes tun können: Das Benefizkonzert zugunsten der Stiftung Weltkulturerbe Stadt Bamberg mit dem chinesischen Starpianisten Lang Lang und Jonathan Nott mit den Bamberger Symphonikern in der ausverkauften Brose Arena war ein voller Erfolg. Die Besucher waren von dem „kulturellen Highlight“ durchweg begeistert. Auch hinsichtlich der erzielten Einnahmen wurden alle Erwartungen für den guten Zweck mehr als erfüllt: Durch den Ticketverkauf und die großzügig eingegangenen kleinen und großen Spenden konnte ein sensationeller Erlös von rund 427.000 € erzielt werden.

Lang Lang beim Eintrag in das goldene Buch der Stadt Bamberg (c) Lara Müller Stadtarchiv

Lang Lang beim Eintrag in das goldene Buch der Stadt Bamberg (c) Lara Müller Stadtarchiv

Bereits vier erfolgreiche Benefizkonzerte der Stiftung Weltkulturerbe Stadt Bamberg halfen mit, die Denkmäler und den Charme der Welterbestadt Bamberg zu erhalten. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Weltkulturerbe Stadt Bamberg Michael Stoschek ist Initiator und treibende Kraft für diese Konzertreihe. Oberbürgermeister Andreas Starke dankte ihm „für sein großes Engagement für die gute Idee.“ Für das diesjährige Konzert mit Lang Lang wurden insgesamt 5.423 Tickets verkauft. Die Brose Arena war bis auf den letzten Platz gefüllt und die Besucher reisten für dieses außergewöhnliche musikalische Erlebnis auch von weit her an. Die eigentlich für packende  Basketball-Spiele bekannte Halle erwies sich mithilfe des Einsatzes ausgefeilter akustischer Technik auch der klassischen Musik gewachsen.

„Vor einem so großen und begeisterten Publikum haben die Bamberger Symphoniker in ihrer Heimatstadt noch nicht gespielt. Ich danke allen Beteiligten, die dieses Konzert zu einem einmaligen Erfolg für die Weltkulturerbstiftung gemacht haben“, so Michael Stoschek. Viele Mitwirkende, auch die Bamberger Symphoniker, verzichteten auf ihr Honorar. Das Benefizkonzert trug dazu bei, die breite Öffentlichkeit auch überregional auf die baulichen und finanziellen Probleme von St. Michael aufmerksam zu machen.

„Wir freuen uns außerordentlich“, so Symphoniker-Intendant Marcus Rudolf Axt, „dass durch unser Benefizkonzert ein so hoher Erlös erzielt werden konnte, der nun der Rettung eines der Wahrzeichen Bambergs zugutekommen wird. Es war für unsere Musikerinnen und Musiker wie für unseren Chefdirigenten Jonathan Nott eine beglückende Erfahrung, allein durch die Kraft der Musik ein so zahlreiches Publikum zu mobilisieren – ein Publikum, das unter Umständen auf diesem Weg zum ersten Mal in Kontakt mit klassischer Musik gekommen ist.“

Der Betrag in Höhe von  rund 427.000 Euro fließt ausschließlich in die Sanierung der ehemaligen Klosterkirche St. Michael. Diese Kirche mit ihren vielfältigen Kunstschätzen, dem Grab des Hl. Ottos und dem berühmten „Himmelsgarten“ an der Kirchendecke liegt den Bambergern und den Besuchern besonders am Herzen. Aufgrund herabstürzender Putzteile und akuter Einsturzgefahr musste im November 2012 die Kirche aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Seitdem sind umfangreiche Untersuchungen durchgeführt worden, welche ein erschreckendes Schadensbild zutage brachten. In den nächsten Jahren ist eine umfassende Kirchensanierung erforderlich.

Die Stadt Bamberg hat sich bedankt bei Firmen und Institutionen, die das Projekt unterstützt und damit einen erheblichen Teil zum Reingewinn zugunsten der Weltkulturerbestiftung beigetragen haben: allen voran die VW Volkwagen AG Wolfsburg, Benita von Maltzahn; Stiftung Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie, Marcus Rudolf Axt; Veranstaltungsservice Bamberg GmbH, Gaby Heyder; Bamberg Congress und Event GmbH, Horst Feulner; Bayerischer Rundfunk, Dr. Kathrin Degmair, Dr. Ursula Adamski-Störmer; Mediengruppe Oberfranken GmbH & Co. KG, Sandra Zimmermann; Bamberger Rundfunk GmbH & Co. Studiobetriebs KG, Mischa Salzmann, Stefan Jäkel; J. C. NEUPERT GmbH & Co. KG, Hallstadt, Wolf Dieter Neupert; Druckerei Distler GbR, Hirschaid, Marcus und Manfred Distler; Welcome Hotel Residenzschloss Bamberg, Udo Ziegler, Sandra Schweigert; Gärtnerei Böhmerwiese, Ralf Böhmer; Malteser Hilfsdienst e.V.; Freiwillige Feuerwehr Bamberg e.V.

Orchester in Deutschland – ein Überblick

Die Orchesterszene in Deutschland ist in ihrer Tradition und Vielfalt weltweit einzigartig. Wussten Sie zum Beispiel, dass das älteste, bis heute durchgängig existierende deutsche Orchester bereits 1502 gegründet wurde? Oder dass die deutsche Orchester- und Theaterlandschaft seit Dezember 2014 auf der nationalen Liste des immateriellen Kultuerbes der Deutschen UNESCO Kommission steht?

Aktuelle Orchesterstrukturkarte (c) DMR-MIZ

Aktuelle Orchesterstrukturkarte (c) DMR-MIZ

Hierüber und über zahlreiche andere Fakten, Zahlen und Entwicklungen der Orchesterlandschaft veröffentlicht das Deutsche Musikinformationszentrum in Bonn einen regelmäßig aktualisierten Fachartikel sowie Zahlentabellen und Grafiken.

Der Überblick über die deutsche Orchesterlandschaft wurde gerade zum 1. Juni 2016 neu überarbeitet und ist hier zu finden: http://www.miz.org/static_de/themenportale/einfuehrungstexte_pdf/03_KonzerteMusiktheater/mertens.pdf